Eine ausgeliehene Waffe, Nachbars’ Plumpsklo zu nah am eigenen Grundstück, ein großer Batzen verlorenes Geld oder eine angeschossene Wildente – in verschiedenen Episoden präsentiert der Film „Sibirisch für Anfänger“ aus der russischen Föderation in hierzulande eher ungewöhnlicher Erzählweise vermeintliche Alltagsgeschichten aus einem Dorf in der Tundra. Ab 15.12.2022 in Deutschland im Kino.
Ein Dorf in Jakutien, eine karge und kalte Landschaft, manchmal viel Wodka und oft verrückte Ideen, geboren im Suff, aus verletztem Stolz oder einfach aus Dummheit: der Zuschauer ahnt es jeweils früh, dass da vieles nicht gut ausgehen wird. Trotzdem sind viele Sequenzen überraschend oder zumindest fernab üblicher Sehr- und Erzählgewohnheiten und damit eine wohltuende Abwechslung im oft beliebigen Kinoallerlei. In mehreren in sich abgeschlossenen Episoden erzählen zwei Regisseure, Stepan Burnashev und Dmitry Davydov, diverse Geschichten zu einem stimmigen, als “abendfüllend” funktionierenden Film zusammengefasst, mit durchweg trockenem bis hin zum sprichwörtlichen Galgen-Humor.
Da ist zum Beispiel ein Kind, das seinem Freund das Gewehr des Vaters ausleiht und sich im Gegenzug für einige Tage ein viel besseres als das eigene Fahrrad ausleihen darf. Während der Vater des einen – weil er den Deal noch nicht ahnt – aus Angst vor einer Polizeikontrolle hektisch seine Waffe sucht, findet der Vater das Todeswerkzeug des anderen im Suff… Ein Nachbar baut einer Familie quasi vor deren Nase ein neues Plumpsklo, weil er es selbst bei sich nicht so nahe haben will: Die Rache ist heftig. Und als ein junger Mann nach langer Zeit ins Dorf zurückkehrt und eine Braut mitbringt, artet das Zusammentreffen mit der Familie etwas aus. Der Dorfvorsitzende muss mit Geschick eine Katastrophe abwenden. Derweil verkauft ein junger Ehemann ein Haus und verliert das viele Geld im Suff. Um sein Ansehen in den Augen seiner Frau wieder zu steigern, überschreitet er eine Grenze…
Nicht alle Geschichten in „Sibirisch für Anfänger“ gehen drastisch aus. Weitaus harmloser als manche Episode ist etwa der Streit zwischen zwei Eheleuten über die Stimmabgabe bei den bevorstehenden Wahlen oder der Versuch eines korrupten Machthabers, seine Schuld an einem Unfall zu vertuschen, auch mit Hilfe von der Polizei. Wenngleich blutig: Sehr köstlich ist auch der Streit zwischen zwei Jägern wegen einer erschossenen Ente.
Jakutien, auch Sacha genannt, ist etwa so groß wie Indien und liegt im nordöstlichen Teil des asiatischen Teils der russischen Föderation, bevölkert mit knapp einer Millionen Menschen. Das Turkvolk der Jakuten spricht ihre eigene Sprache durchsetzt mit russischen Slangs. Der Film „Sibirisch für Anfänger“ läuft hierzulande – anders als für den leider einfallslosen Titels dafür ein Extralob an die Verleiher – in Originalsprache mit Untertiteln. Auf dem Internationalen Filmfestival Warschau gewann der sehr unterhaltsame Film mit kurzen Schockmomenten den Special Jury Award. Wer skurrilen Humor mag, wie man ihn etwa aus vielen Filmen aus Skandinavien kennt, mag, wird auch hier sehr viel Spaß haben!
