Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Eiffelturm erbauen in weniger als 60 Minuten?

Mit einem Stift in die Luft zeichnen und am Ende etwas wirklich Greifbares in Händen halten? Ja, das geht tatsächlich und es sieht im Resultat auch vorzeigbar aus, wenn mittels weicher verschiedenfarbiger Kunststofffäden und eines 3D-Stiftes selbst anspruchsvollere Objekte “nachgebaut” werden. 3Doodler nennt sich eine Art mobiler Drucker, mit dem räumliche Vorstellungskraft trainiert und Kreativität gefördert werden sollen – laut Empfehlung des Herstellers bei Kindern ab acht Jahren, aber auch bei Erwachsenen. Funktioniert das im Alltag?

In Deutschland wird der 3D-Stift, mit dem man Schritt für Schrift, zunächst mit Hilfe von Schablonen und dann im Idealfall auch irgendwann freihand, dreidimensionale mehr oder minder ambitionierte Kunstwerke erschaffen kann, von dem schwäbischen Unternehmen HCM Kinzel vertrieben. Getestet haben wir konkret das „Doodler Start Pack Essential Set“, ein vermeintliches Rundumsorglospaket für Einsteiger, welches auf der firmeneigenen Shopseite knapp 60,- Euro kostet. Ein anderes Set, welches allerdings seltsamerweise ebenfalls die Worte “Start Pack” im Namen trägt und “besonders viele Farben sowie zusätzliche Schablonen” verspricht, ist gleich mehr als doppelt so teuer. In der nachfolgend beschriebenen “Basisvariante” jedenfalls werden in einem von außen lediglich in englisch betxteten Karton der 3D-Stift selbst, 2 Päckchen mit verschiedenfarbigen Stäbchen (48 Stück insgesamt) aus Öko-Kunststoff, der abbaubar und frei von Bisphenol sei, ein Mikro USB-Kabel, eine (auch deutschsprachige) Anleitung und das sogenannte Projektbuch geboten.

Die Handhabung um Objekte mit geschmolzenem Kunststoff zu zeichnen ist dank besagten Stiftes tatsächlich erstaunlich einfach – wenn man mit der Zeit den sprichwörtlichen Bogen raus hat. Zunächst aber gilt es den recht klobrig wirkenden Doodler mittels USB-Kabel am Computer bzw. Laptop – oder mittels eines allerdings nicht mitgelierferten USB-Adapters zum Direktanschluss an die Steckdose aifzuladen. Wenn das kleine Lämpchen am Stift dann nicht mehr orangefarben blinkt, sondern dauerhaft leuchtet, ist das Zeichengerät startbereit. Fast. Denn nach der Betätigung des Einschaltknopfs Richtung „On“ leuchtet das Lämpchen rot – das heißt, der Stift wärmt sich auf, was allerdings dann nur noch einige wenige Sekunden dauert. Wenn die Farbe des Lämpchen schlussendlich auf Grün wechselt, darf auf der Rückseite des Stifts in das entsprechende Loch eines der farbigen Kunststoffstäbchen eingeführt werden, bis es einrastet. Drückt man dann den Startknopf und bewegt den Stift kommt aufgewärmter Kunststoff aus der Düse, solange die Masse reicht oder durch erneutes Drücken auf den Geräteknopf der schöpferische Vorgang bewusst pausiert wird.

Das Projektbuch erleichtert den Einstieg, indem es Schablonen zu diversen Objekten wie Schmetterling, Gitarre, Brille, Blumentopf, Dinosaurier, Eiffelturm oder venezianische Karnevalmaske bietet. Daneben finden sich darin auch generelle Tipps, wie man die dadurch letztlich “nachgemalten” Einzelteile zu einem großen Ganzen verbindet. Wir wählten als erstes Projekt das Pariser Wahrzeichen, für das man nacheinander 20 verschiedene, in sich teils sehr verschnörkelte Kleinkunstwerke “druckt” –  dann gilt es fünf Etagen zu binden, und schließlich fest aufeinander zu “stapeln”.

Mit dem Handling des Stifts ist man nach einigen Anläufen gut vertraut. Das Kunstoffmuster auf dem jeweiligen Vorlagenblatt wird auch recht schnell kalt, so das man rasch weiterarbeiten kann. Im Grunde ist wirkliches Geschick erst dann nötig, wenn die Einzelteile fertig sind – das “in der Luft miteinander zu verbinden” ansteht. Und erst recht, wenn der Eiffelturm wegen der Neigung zunächst eher nach dem schiefen Pisa Turm aussieht. Doch auch im halbfertigen zustand kann man die Etagen noch gerade(r) rücken und gar entstandene Löcher recht mühelos “ausstopfen”.

Der Spaß mit dem 3Doodleer wäre gänzlich ungetrübt, wenn da nicht ein paar Kleinigkeiten wären.

Erstens: die Farbwechsel. Ein Kunstoffstäbchen reicht für ca. 15 cm. Ist es erst wenig verbraucht, kann man das Stäbchen mittels Doppelklick am Startknopf rausschieben – bei nochmaliger Benutzung des jeweiligen Kunststoffs sollte man ggf. verformte Enden abschneiden. Ist aber nur noch ein Stumpen verblieben, wird dieser unweigerlich zum Ausschuss, wenn man die bestimmte Farbe nicht mehr möchte oder – was im Basisset eben doch relativ schnell der Fall ist – von einer Sorte kein Vorrat mehr geblieben ist. Dann heißt es entweder eben ab in die Tonne oder man muss einen Farbwechsel im aktuellen Teilstück akzeptieren, denn immerhin: ein Reststückchen, welches man noch nicht aus dem Druckerstift geholt hat, kann gemeinhin problemlos zusammen mit nachgeschobenen Stäbchen verschmolzen werden.

Zweitens: Es kann vorkommen, dass beim Durchlaufen die Düse verstopft. In dem Fall sollte sie laut Hersteller gereinigt werden, während der Stift eingeschaltet ist. In unserem Fall half das einfache Reinigen jeoch nicht! Der Düseneingang war total zu! Erst unter vorsichtiger Zuhilfenahme einer Nadelspitze zur Reinigung konnten wir das Projekt ohne weitere Zwischenfälle zu Ende bringen.

Fazit: Der dicke Stift ist für kleine Kinderhände nicht leicht zu handhaben, daher auch die Alterseinschränkung “ab acht” – ansonsten ist die Faszination sowohl bei Kleinen wie auch bei Großen rasch geweckt. Aber muss man auf jeden Fall eine gehörige Portion Geduld mitbringen oder sich eben antrainieren. Denn ein Schnellstart wird gemeinhin nicht so leicht gelingen. Die gelieferten Stäbchen sind nach zwei-drei anspruchsvollen Objekten schnell verbraucht, ein Ergänzungsset mit 24 weiteren Stäbchen kostet knapp 8 Euro – das heißt das doodeln kann durchaus ins Geld gehen. Doch muss man nicht so sehr auf die Euros achten und hat man erst einmal das bloße Nachzeichnen der Schablonen hinter sich, ist mit dem Stift richtig vertraut und somit bereit “frei Hand” zu arbeiten, macht es unheimlich viel Spaß, aus der Luft heraus unterschiedlichste Objekte zu entwickeln.

Bestellung/Handling: 4/5 + Qualität/Originalität: 5/5 + Preis/Leistung: 4/5



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