Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Matthias Richling kommt nach Fürth!

„Ich bin nicht dazu da, lobzuhudeln“ – sechs einfache Worte, und doch spätestens seit Februar 2020 keineswegs mehr selbstverständlich für deutschsprachige Kabarettisten. Doch der Mann, von dem diese Worte stammen, betont nicht nur diesen Anspruch, er lebt ihn auch: Dabei war und ist Mathias Richling selbstverständlich kein Corona-Leugner, aber er ordnete Dinge bereits im Frühjahr des ersten Ausnahmezustands und auch in der Folge kritisch distanziert und pointiert ein und machte sich eben nicht wie leider mehr als wenige Berufskollegen plötzlich zum Staatsbüttel. Von allen Live-Programmen – Musik und Bühne – ist sein Soloauftritt am Sonntag in der Fürther Comödie unser absoluter Top-Tipp zwischen Coburg und Weißenburg, und Aschaffenburg und Wunsiedel.  

Rund 70 Lebensjahre hat er auf dem Buckel, bereits 1979 war es als er den ersten “Deutschen Kabarettpreis” erhielt. Und doch ist er kein bisschen leise. Für viele, die ihn noch aus den guten alten Scheibenwischer-Zeiten kennen oder dem Quasi-Nachfolgeformat “Satire Gipfel”, ist es sogar so, dass er, seit dem sich vor einigen Jahren Schramm und Pispers weitgehend zurück gezogen haben, neben vielleicht noch Hagen Rether scheinbar urplötzlich zu den Wichtigsten seiner Zunft zählt. In jedem Fall deutlich schärfer erscheint als in den ersten Jahren seiner Karriere. Der Deutschlandfunk leitete vor nicht allzu langer Zeit ein weiteres Zitat des Fernsehschwaben vom Dienst absolut treffend folgendermaßen ein: “Ob auf der Bühne oder im Interview: Der Mann hat Tempo und Haltung. Und die kommt frei heraus: ‘Ich kann es nicht trennen. Ich kann auf der Bühne nicht was Anderes spielen als das, was ich bin. Das merken die Menschen sofort, dass das dann verlogen oder nicht richtig wäre. Was ich sage, ist natürlich überspitzt und auch provokant, aber es ist nicht gespielt.'”

Gleichwohl, dass dies auch Rezipienten, erst recht wenn sie sich Journalisten schimpfen, anerkennen müssen – egal wie sie zu der einen oder anderen Aussage eines kritischen Menschen stehen – wurde Richling von einer gewissen Andrea Zschocher im “Stern” auf unsägliche Art und Weise für einen Auftritt bei “Maischberger” abgewatscht: die Magazinautorin hatte es bei der Show im Ersten offenbar im Mai 2020 (!) vermisst, dass sich die Talkrunde nicht primär über mögliche staatliche Erlaubnisse (sic!) wieder reisen zu dürfen (und wenn ja unter welchen Bedingungen bzw. wohl wer nicht in den Genuss kommen sollte – 1G-mit Stern oder so) austauschte, sondern dem kritischen Unterhalter Raum bot angeblich (so der Stern damals!)  “sich immer wieder mit irritierenden Aussagen in Szene zu setzen – nicht zum ersten Mal übrigens.” Letzteres hat die auch schon vor den “Hitler”-Tagebüchern nicht wirklich ernst zu nehmende Postille bedeutungsschwanger mit einem Interview Richlings für den Südkurier verlinkt, wo ihn die Kollegen lapidar “Corona-Virus keine Bedenken durch das Land zu touren?” gefragt hatten und es der Kabarettist “gewagt” hatte mit “Nein, gewiss nicht. Die Bedenken habe ich eher vor der Hysterie, die mir wenig verständlich ist. Wir haben in Deutschland im Moment unseres Gesprächs ein paar hundert Infizierte und noch keine Toten. Bei der Grippewelle vor zwei Jahren starben in Deutschland 25100 Menschen und wir hatten 10 Millionen (!) Infizierte. Erklären Sie mir bitte, warum damals Milch, Butter, Dosensuppen und Klopapier nicht ausverkauft waren!? Im letzten Jahr ertranken beim Schwimmen 417 Menschen. Legen wir jetzt Baggerseen, Nord- und Ostsee trocken?” zu antworten. Für den Stern war die Zusammenschau zwischen TV-Auftritt und Rückblick auf für eine Zeitung Niedergeschriebenes übrigens letztlich gar noch für einen ultimativen Schmähgesang in Richtung Sandra Maischberger gut: “Wieso war dieses permanente Nachfragen nach zu harten oder zu lockeren Maßnahmen nötig?” Das nennt man wohl Realsatire: ein Kabarettist musste im Jahr 2020 kritische Fragen zu einer undurchsichtigen und wie heute fast alle einräumen in jedem Fall punktuell völlig überzogenen, teilweise absolut willkürlichen und mitunter gewalttätigen, zumindest extrem repressiven “Corona”-Politik stellen, weil das u.a. ein ebenfalls am ARD-Talk beteiligter Ulrich Wickert nicht zu bewerkstelligen vermochte oder es eben nicht wollte, und Journalisten ziehen das dann in den Dreck, dass sich jemand zum Beispiel um das Wohl und Wehe von Schulkindern schert…

Wer Richling die letzten Monate in seinen eigenen TV-Formaten erleben durfte (manches ist bei Youtube nachschaubar!) ahnt, dass es bei seinem Gastspiel in Mittelfranken am 12.02. nicht primär um das “C”-Thema gehen wird. Denn der Kabarettist ist stets am Puls der Zeit, daher ist sein Bühnenprogramm auch ständig im Fluss.

Karten gibt es ab schlanken 22 Euro u.a. bei Eventim, und auch direkt beim Veranstalter – der Fürther Comödie, Einlass ist ab 18 Uhr, Show-Beginn 19.00



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