Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Du musst dir was wünschen

Zig Märchen und Geschichten in verschiedenen Kulturen erzählen von Fabelwesen, die als Belohung für ihre Befreiung Menschen Herzenswünsche erfüllen, mit guten oder böse Folgen für Bescherten. „Three Thousand Years of Longing“ von George Miller stellt den befreiten Dcshinn vor einer besonderen Herausforderung. 

Narratologin (Gelehrte der Erzähltheorie) Alithea Binnie ist eine alleinstehende, mit ihrem von Geschichten und Mythen umgebenen Leben rundum zufriedene Frau, auch wenn sie allein durch ihren Topfhaarschnitt und ihr konservativ wirkendes Outfit auf Außenstehende nicht so wirken mag. Ihre These ganz kurz zusammengefasst: die Fabelwesen werden bald der menschlichen Vernunft Platz machen und verschwinden. Studien führen die Engländerin zu einer Konferenz nach Istanbul. Auf dem Bazar findet Alithea eine alte Glasflasche. Im Hotel angekommen schrubbt die Akademikerin die Flasche sauber und – voilá – plötzlich steht ein überdimensionierter Geist in ihrem Zimmer. Während sie diese Erscheinung als einen weiteren  (sic!) Streich betrachtet den ihr ihre Fantasie spielt und mit geschlossenen Augen auf sein Verschwinden wartet, schrumpft der befreite Dschinn auf eine annehmbare Größe, schlüpft mit Ach und Krach in den Hotelbademantel und hockt sich neben sie auf das Bett. Alithea muss nicht nur die Existenz von Fabelwesen akzeptieren sondern sich auch drei Wünsche überlegen. Sie scheint allerdings wunschlos glücklich zu sein und kennt außerdem die Gefahren, wenn solche Wünsche nach hinten losgehen. Will der Dschinn nicht weiter bestraft werden, endlich nach bereits gescheiterten Versuchen in den letzten Jahrtausenden seine Freiheit erlangen, muss er sie überzeugen, sich doch etwas zu wünschen – mit einem ungeahnten Resultat.

„Three Thousand Years of Longing“ – dreitausend Jahre Sehnsucht – ist nach sieben Jahren Drehpause der neue Film des australischen Regisseurs George Miller („Mad Max“-Reihe, „Ein Schweinchen namens Babe“, „Hexen von Eastwick“). Tilda Swinton („Grand Budapest Hotel“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „Orlando“) und Idris Elba („Meine schöne Schwiegermutter“, „Avengers: Infinity War“) geben sich dort in Bademänteln Einblicke in ihr Seelenleben. Und vor allem in die abstrusesten historischen Zufälle, die der Dschinn so durchlebt hat – wenn seine Stimme aus dem Off und teils rauschhafte Bilder  für den Zuschauer die Leidenschaften und Intrigen, kriegerische Handlungen und Feste einfangen, er unter anderem erzählerisch Begegnungen mit der Königin von Saba (Aamito Lagum) oder Süleyman dem Prächtigen für Alithea aufbereitet, kommt sprichwörtlich Bewegung auf die Leinwand. Der Film, der darüber philosophiert, wie sehr Geschichten das menschliche Handeln beeinflussen, ist nämlich – was die Ebene der Gegenwart anbelangt – ansonsten zum Großteil ein Kammerspiel.

Trotz vieler opulenter und farbenfroher Bilder (für die Kamera zeichnet Oscar-Preisträger John Seale  – „Mad Max: Fury Road“, „Der englische Patient“ – verantwortlich), die besagtes Revue passieren lassen des Dschinns untermalen, fühlt sich „Three Thousand Years of Longing“ (basierend auf einer Kurzgeschichte von  A. S. Byatt ) in seiner Gesamtheit doch etwas langatmig an. Die Produktion scheitert an dem  Anspruch, etwas ganz besonderes sein zu wollen. Es wird mit Sicherheit kein Reinfall sein, diese mit passender Musik begleitete Bilderflut, dazu noch die Besetzung zweier herausragender Darsteller auf der großen Leinwand zu erleben, man sollte aber keine großen inhaltlichen Erwartungen an den Film haben – er ist leider nicht wirklich rund geraten. Zudem punktuell viel zu Klischee beladen. Eine Fantasy-Story der letztlich bis auf ganz wenige Ausnahmen – diese halten dann aber eine Transformation von Albert Einstein oder den Anblick auf ein ganz besonderes Saiteninstrument bereit – der magische Funken Fantasie fehlt. Doch halt! Ohne zu spoilern, am Ende des 106 Minuten langen Films, wo – in der Gegenwartsgeschichte – wieder weitere Normalsterbliche auf den Plan treten, ist Raum, dass  Swinton und Elba ein wenig mehr Luft zum Atmen haben als es das Hotelzimmer bot. Und das tut ihrem Spiel sichtlich gut. Aber das sind eben nur einige Minuten.

 



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