Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Das größte Spielzimmer der Welt feiert die totale Computerisierung und belebt die Geschlechtertrennung

Die Macher der Nürnberger Spielwarenmesse haben für 2017 formal “Girl Power” als eines der zentralsten Trendthemen ausgerufen. Doch bereits am Vortag des eigentlichen Starts präsentierten auf der “PressPreview” der größten alljährlichen Branchenschau rund um Produkte für Kleinkinder und Heranwachsende zahlreiche Aussteller bei ihren tatsächlichen und vermeintlichen Innovationen, einmal mehr ganz offensiv strikteste Geschlechtertrennung – alleins chon durch omnipräsente Farbstereotype. Allen voran werkelt auch Lego mit dem systematischen Ausbau und flankierender Werbung für die nach Mädchen und Jungs separierten “friends”- und “technics”-Welten daran, dass die Justins und Leonies heutzutage systematischer denn je auf ihre Rollenbilder und für den Konsumwahn vorbereitet werden – und nebenbei auch für Heidi Klums nächsten Menschenzoo. Doch es gibt für die Fachbesucher dieser Tage in Nürnberg trotzdem wirklich viel versprechendes zu entdecken.

Gerrit Hencke, ein Kollege der Schweriner Volkszeitung bringt es auf den Punkt: “Als wären die 50er Jahre erst gestern zu Ende gegangen, entdeckt die Industrie in ihrer Gier, dass Mädchen vielleicht noch andere Interessen haben könnten als Puppen und Schminken. Wo ist das blaue Frisierset für Jungs wo draufsteht: ‘Friseur werden – nichts ist mehr unmöglich’?” Auf der so genannten Neuheitenschau – einer Spezialveranstaltung für Journalisten, auf der vermeintlich ganz besonders attraktive und oder innovative Produkte teilweise von “Prominenten” (unter anderem Desiree Nick und Menderes Bagci – passenderweise als Kakerlaken; interessanter – auch mit dem was sie bewerben durften – Bernhard Hoëcker und Wigald Boning für Ravensburger: ein herausforderndes Konstruktions-Set für Kugelbahnen namens Gravitrax) präsentiert werden – dieses Jahr jedenfalls nicht. Und selbst mit dem Begriff Neuheit hält man es hier nicht mehr auch nur formal annähernd genau. Aberwitzigerweise fast auf dem gleichen Quadratmeter wie zwölf Monate zuvor lauerte ein gleichwohl noch immer futuristisch und ungelenk wirkendes, entfernt an einen Segway in UFO-Form erinnerndes, blinkendes Möchtegern-“Trendgefährts” namens eBall.

Auch bei wirklichen Neuheiten die in Nürnberg bis 6. Februar rund 70 000 Fachbesucher aus aller Welt zu den diesmal exakt 2871 Ausstellern locken sollen, geht in gefühlt zwei von drei Fällen nichts mehr ohne Elektronik, auch bei klassischem Konstruktions-spielzeug darf kaum mehr die Anbindung an Smartphone oder Tablet fehlen. Oftmals wirkt dies dann sprichwörtlich aufgesetzt und unter’m Strich für den Endverbraucher weitgehend nutzlos. Außer man steht darauf, dass etwa nach dem “richtigen” Zusammenbau von mit Magneten vollgepumpten “Fröbelsteinen” ein Hundebellen ertönt. Wobei dies nur die halbe Wahrheit ist: Allen Ernstes ist die Technik auch zur totalen Überwachung des Nachwuchses gedacht! Es soll abrufbar sein, wielange sich das Kind mit den Klötzchen beschäftigt hat und ob es sie besonders heftig aneinander geschlagen hat…

Richtig Sinn indes kann die unaufhörlich fortschreitende Computerisierung der Kinder- und Jugendzimmer sowie der Hobbyräume aber auch bei Ausstellern der Spielwarenmesse machen: Etwa bei Wonder Workshop, die den Spiel-Roboter Dash vorstellten. Programmieren lernen und dabei Spaß haben lautet das Motto, das besonbdere Herstellerversprechen “nach vielen Spiel¬ und Lernstunden bleibt er eine Herausforderung und wächst mit den Kindern mit”, werde durch fortwährend weiter entwickelte (kostenfreie) Apps gewährleistet. Manchmal sind es aber auch die kleinen Dinge im Leben die überzeugen: Mit Stofftieren der ganz besonderen Art (“Feisty Pets”) will Goliath Toys fortan punkten. Nicht etwa durch elektronisches Innenleben, sondern durch sanftes Drücken hinter den Ohren animiert man ganz ohne Batterien die Gesichtszüge verschiedenster Tiere wie Bär, Affe, Hase, Panda, Katze oder Eisbär. Überraschungsmomente, teils vielleicht gar erschreckte Gesichter und hoffentlich spätestens nach 1-2 Sekunden große Lacher sollten hier tatsächlich garantiert sein.

Ob sich indes in Zukunft ein Unternehmen aus Russland am deutschen Markt behaupten kann, welches Bausteine vorstellte, die in alle Richtungen zusammengesteckt werden und damit dem Konzept Lego nominell meilenweit überlegen ist, bezwiefeln wir. Nicht weil die Prdukte von Fanclastic nicht innovativ wären – im Gegenteil: aber “Politik” und Medien und Wirtschaftsbünde, die leider auch im Kampf um die Kinderzimmer eine immense Rolle spielen, machen zwölf Monate im Jahr willfährif Propaganda für jeden “Husterer” des inzwischen ja auch im Kino omnipräsenten Konzerns aus Dänemark und werden dahingehend die kristallähnlichen Gitterstrukturen aus Osteuropa, die mit maximaler Stabilität daherkommen wollen, weitgehend ignorieren. Wetten dass?

 



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