Ob die Extra schmeckt?

Während ein anderer, eigentlich als Saftladen bekannter Getränkehersteller in jüngster Zeit glaubte, “die” Limo neu erfinden zu können, und dabei eine besonders nervtötende Werbeoffensive ablieferte (indem man auf die – nach dem “Böhmermädchen” – aktuell wohl überschätztesten TV-Gesichter zurückgriff), geht “die” Sinalco aktuell den umgekehrten Weg und lässt den Fruchtsaftgehalt für ihre beiden neuen, speziell für die Sommersaison konzeptionierten Produkte kräftig steigen: Konkret werden “streng limitiert” als sogenannte “Zweifrucht-Limonaden”, als Sinalco-Getränke mit dem gewissen “Extra”, die Sorten Orange-Maracuja und Limette-Melone in den Supermarktregalen angeboten.

Wenige Wochen nach ihrem 111. Geburtstag bringt Sinalco zwei “Extra”-Sorten auf den Markt: mit Mischungen aus je zwei Obstsorten und einem insgesamt deutlich erhöhten Fruchtgehalt.

Menschen jenseits der 45 werden beim Unternehmen Sinalco, dessen Klassiker auf die 1902 in Detmold erdachte “Bilz-Brause” bzw. “Bilz-Limetta” zurückgehen (das erklärte Ziel damals: aus Südfrüchten und einheimischen Obstarten ein natürliches Fruchtgetränk bereiten) und das seinen heutigen Namen (von lateinisch sine alcohole, ohne Alkohol) bereits seit 1905 trägt, fast unweigerlich den “Flohwalzer” summen. Denn vor Jahrzehnten warb die Marke mit dem Claim “Die Sinalco schmeckt” just zu auf diesem volkstümlichen Klavierstück basierenden Klängen. Dann irgendwann war es mal eher ruhig um die Kultbrause geworden, vor einigen Jahren dann wiederum gab es Ärger mit Bionade wegen Namensrechten im Biosektor und um 2010 herum einen allerdings leider wenig professionell geführten Versuch ein ziemlich wohlschmeckendes Radler (Bier-Limo-Mischgetränk) am Markt zu positionieren. Als unsere Redaktion vor wenigen Tagen auf bunte, topaktuelle Sinalco-Werbemittel aufmerksam wurde, auf denen einem unter anderem Wasserelonen anlachen, war klar, dass wir zeitnah herausfinden müssen, was hinter dem “Extra” steckt – sowohl geschmacklich, als auch qualitativ.

Limonaden haben in Deutschland einen großen Markt – statistisch trinkt jeder Bürger 35,7 Liter im Jahr. Tendenz steigend. Wenn Wasser mit Kohlensäure sowie Aromen versetzt wird, ist ein Fruchtanteil von wenigstens drei Prozent vorgeschrieben. Unseres Erachtens ist es vor diesem Hintergrund besonders ärgerlich, wenn ein Unternehmen wie Sinalco-Konkurrent Coca-Cola beispielsweise bei dem Produkt Fanta Mango riesengroß mit entsprechenden Fruchtfotos wirbt, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, dann aber im Kleingedruckten aufdecken muss, dass das Getränk lediglich natürliches “Mangoaroma” enthält. Solche Tricksereien gibt es bei den für den kulturkueche.de-Geschmackstest ausgewählten Sinalco-Pridkten glücklicherweise nicht. Beide Extra-Varianten punkten nicht nur mit jeweils 10 Prozent Saftgehalt, sondern es werden auch sämtliche Fruchtsaftsorten* verwendet, wozu Obst abgebildet ist: Orange-Maracuja (die Werbeagentur nennt es an der einen oder anderen Stelle auch einfach Orange-Passionsfrucht, obgleich es nicht wenige Menschen git, die hier zwei streng unterschiedliche Früchte kennen) als auch Limette-Melone werden – keineswegs eine Selbstverständlichkeit – mit natürlichem Mineralwasser hergestellt, seien absolut vegan (Coke-Produkte hingegen hatten eine zeitlang mit Fisch-Gelatine – Carotine/ E160a – herumgeeiert) – und sind sicher frei von Gluten, Laktose, Milcheiweiß und Phenylalaninquellen.

Trotzdem ist auch bei Sinalco nicht alles über den grünen Klee zu loben! Während das Früchteverhältnis bei der herben Variante durchaus ausgewogen ist – Wassermelonensaft* (5,5%), Limettensaft* (3,5%) – machen vom 10%-Versprechen bei der nominell tropisch angehauchten Limo die klassischen Orangensaftbeimischungen gleich neun Prozent aus, so dass für Maracujasaft* lediglich ein Prozentpunkt zu Buche schlägt. Und auch wenn wir eingangs eben aufgrund der Penetranz der entsprechenden “Joko/Klaas”-Kampagne den Mitbewerber Eckes-Granini, der das “die” die letzten Jahre im Limonadenmarkt wieder omnipräsenter machte (wobei es ja eben schon immer auch die Sinalco war…) bewusst kritisch einführten, darf der Fairness halber nicht unerwähnt bleiben, dass “die Limo”-Produkte von ebendort mindestens (!) jeweils 10-Prozent-Fruchtanteil bieten, teilweise – etwa bei der Granini-Sorte Orange-Lemongras stolze 18% – insofern ist Sinalco auf diesem Gebiet trotz der “Extra”-Werbung kein wirklicher Platzhirsch-Kandidat, aber eben zumindest den amerikanischen Brausen meilenweit überlegen.

Ein paar Worte zu den Nährwertangaben

Die klassische Sinalco Orange weist auf “pro 100-Gramm-Angaben” als Kohlenhydrate 9,8 g Zucker (10,9%) aus – und somit sogar etwas mehr als Fanta Orange, wo sich allerdings zu 9,4 g Zucker noch 0,1 g Fett zum Kohl.hyd.-Wert dazu addieren lassen müssen. Bei den Sondersorten nun ist das Dickmacher-Urteil – auch wenn erwartungsgemäß das hauseigene “Aquinell Wellness” mit 5,2 g natürlich nicht erreicht werden kann – für den inzwischen in Duisburg angesiedelten Hersteller deutlich besser als die Werte des Coke-Konzerns: bei der Sinalso Maracuja-Variante finden sich nurmehr 7,9; bei der Limette-Melone-Mischung auch relativ geringe 8,1 g Zucker (und weiterhin keine Fette und keine Fettsäuren) – die bereits im anderen Zusammenhang (s.o.) erwähnte Fanta Mango weist allein was Zucker angeht 10,1 g; die Fanta Lemon 10.8 g Zucker aus.

Geschmacks- und Gebindefragen

Neun Tester mit teils sehr unterschiedlichen Ess- und Trinkgewohnheiten waren für diese Geschichte in drei, vier kleinen Verkostungsrunden zu Gange – selten zuvor gab es bei unseren Geschmackstests so einhellige Urteile: die Limette-Melone-Mischung von Sinalco wurde bei sieben Kulturküchlern irgendwo zwischen “nichts Besonderes”; “jedes Schweppes-Produkt…” (insbesondere die hierzulande leider nicht erhältliche Mandarine) “…ist deutlich besser abgestimmt”; und “geschmacklich ein Reinfall” angesiedelt. Lediglich zwei Stimmen konnten sich für die herbe Sparte ansatzweise erwärmen, wovon einer auch nur, weil er daran dachte, dass die Mischung letztlich gut “zum Mixen von Cocktails oder Aperitifs” geeignet sein könnte… Die Orange-Maracuja hingegen, rein was das Gaumenkitzeln anging – kam trotz des geringen Anteils der Passionsfruchtverwandten bei sechs Testern überdurchschnittlich bis sehr gut an (“würde ich mir in jedem Fall kaufen!”, “kommt hoffentlich dauerhaft ins Programm”…), bei zweien erhielt sie zumindest das Prädikat “zufriedenstellend”, lediglich eine Probantin vermisste jedwede erhoffte Exotik und vergab eine “4-“, ein Gesamtresultat von 2,1 in Schulnoten.

Kleine Realsatire am Rande: dass nicht zuletzt aufgrund der Marktpolitik von Coca-Cola (verkaufte dem Vernehmen schon 2015 nurmehr sechs von zehn Getränken in Mehrweg) Einweg Jahr für Jahr auch hierzulande überhand nimmt, ist ja schlimm genug. Dass Sinalco (auf ihrer facebookseite schrieb das deutsche Unternehmen an einen Nutzer, der sich schon zu anderen / klassischen Produkten beschwerte: “Wir können dir aber versichern, dass wir ein mehrwegorientiertes Unternehmen sind und rund 90% unserer Produkte in Mehrwegflaschen abgefüllt werden.”) alleine nicht gegen die Supermarkt-Ketten, die das genüsslich mitspielen, ankommen kann, eine Binse. Dass man aber seitens Sinalco auf der eigens für die beiden Saisonsorten eingerichteten “Extra”-Webseite” noch besonders stolz und hervorgehoben mit den Worten “Handlich und voll im Trend: die 0,75 L-Einwegflasche” wirbt, finden wir ziemlich traurig. Denn die Bottle, (andere Dareichungsgrößen seien aktuell nicht geplant) die hier zum Einsatz kommt, bietet nicht nur eine tatsächlich sehr bequeme Füllmenge um die Sinolco-“Zweifrucht-Limonaden” für unterwegs dabei zu haben, sondern sie wirkt anders als zahllose andere Getränkeverpackungen im Limosektor wirklich ziemlich unkaputtbar. Also viel zu aufwändig produziert für das “ex und hopp”. Das Unternehmen selbst benennt die Flaschen übrigens sogar als “eigens gestaltete…Individual-Einwegflaschen, die mit stilisierten Frischetropfen auf der Oberfläche und einer “saftigen” Etikettengestaltung zum spontanen Probieren einladen.


* verwendet werden wie branchenüblich bei Limonaden Saftkonzentrate – neben den im Artikel genannten Zutaten kommen bei den beiden Sinalco-Sondersorten insbesondere auch Zitronensaft(konzentrat), Kohlensäure, Zitronenextrakt, natürliches Citrusaroma mit anderen natürlichen Aromen, Säuerungsmittel Citronensäure, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure, Stabilisator Johannisbrotkernmehl und oder natürliches Orangenaroma mit anderen natürlichen Aromen zum Einsatz.

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