Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Dokufeuerwerk mit Licht und Schatten und ein für Cannes zu brisantes Drama

Zehn Filme starten diese Woche in Deutschland offiziell neu im Kino. Nicht ungewöhnlich viele, ungewöhnlich aber: viele – gleich sieben! – Dokus sind darunter. Und davon wiederum fünf Stück, die aufgrund ihrer nominellen Themenauswahl (Drohnenmorde, NSU, US-Grenzpolitik, Joseph Beuys und Lehrer) im Vorfeld unsere Aufmerksamkeit weckten, aber nach Sichtung keineswegs alle auch nur das Prädikat zufriedenstellend verdienen. Wir sagen was lohnt und was nicht, liefern aber zuvörderst eine Kritik zu Nocturama, der formal ein wenig wie eine Doku daherkommt, aber ein Spielfilm ist und Jugendliche in Paris beäugt, die markante Gebäude und Ikonen in die Luft gehen lassen wollen.

Die Kamera folgt den einzelnen Jugendlichen durch die Straßen und U-Bahnen der Stadt, zeigt verstohlene Blicke untereinander, wenn sie sich in der U-Bahn kurz begegnen, zeigt wie sich ihre Wege wieder trennen, zeigt, wie auf Handys geblickt wird und selbige dann weggeworfen werden, wie etwas aus Autos geholt und dann durch die Gegend getragen wird. Regelmäßige Einblendungen der Uhrzeit (manchmal springt diese auch zurück, weil ein anderer junger Mensch gezeigt wird als die Protagonisten davor, es auch wichtig zu sehen ist, was dieser unternimmt) und das teils pulsierende Soundgewand machen dem Zuschauer sehr rasch unmissverstädnlich klar, dass hier ein Countdown abläuft, alles auf den einen oder anderen minitiös geplanten Sprengstoffanschlag abzielt. Wohlgemerkt keinen Anschlag in einer Menschenmenge: am Ende des “ersten Teils” – im Prinzip besteht Nocturama nämlich aus 2 1/2 Kapiteln – wird es vielmehr u.a. im Innenministerium, in der Zentrale einer großen Bank oder der golden glänzenden Statue der “Freiheitskämpferin Jeanne d’Arc” Feuer und Explosionen geben. Dazwischen bereits einen ungeplanten Toten – in den eigenen Reihen der Jugendlichen, die von Regisseur Bertrand Bonello biographisch und ideologisch überhaupt nur mittels kurzer Flashbacks und auch damit bestenfalls spartanisch eingeführt werden.

Im zweiten Part verschanzen sich die Hauptfiguren in einem Luxuskaufhaus, versuchen die Angst vor ihrer Entdeckung zu verdrängen, schauen nur halbherzig, was in den Nachrichten über sie und mögliche Verletzte berichtet wird, und unterliegen teilweise dem perfiden Charme dieser scheinbar heilen Konsumwelt. Filmisch und erzählerisch ist das, was in dieser Phase von Nocturama abläuft, schlichtweg Kino der Extraklasse. Nicht nur in jener Szene, als einer der Jungen kurz zum Rauchen (und auch zum Checken der Lage) nach außen tritt, und Obdachlose in die verschwenderisch bestückte, sündhaft teure Lebensmittelabteilung “einlädt” oder die, in der ein anderer der Gruppe unvermittelt einer mit den gleichen Klamotten, die er gerade selber trägt, ausstaffierten Schaufensterpuppe gegenübersteht.

In Deutschland gibt es bis zur Stunde in vielen “großen” Zeitungen erstaunlich primär lautes Schweigen zu dem Streifen der in Cannes letztes Jahr nicht laufen durfte (das aberwitzige Urteil, zu politisch, es sei gar “moderner Dschihadismus”). Und so sticht in der Kritik neben der niemals bedeutsamen “Cinema” (deren Urteil sei hier dennoch erwähnt, es ist einfach zu trollig: “Aufrührerisches Pamphlet”) hierzulande das in Kulturfragen selten weit bewanderte und ansonsten auch oft nur noch alibimäßig klassenkämperische “Neue Deutschland” mit aberwitzigen Unterstellungen hervor: “das verheerende Fazit:”, dass Nocturama verbreite, laute “Terror ist cool!” Doch damit nicht genug an Tragikomik, als wohl unfreiwilliger Beleg der offenbar nicht vorhandenen interkulturellen Denke, schreibt Tobias Riegel im “ND” auch noch dies: “Und das ist auch gleich das erste unaufgelöste Rätsel: Was könnte Vorstadtkids (Manal Issa, Hamza Meziani), eine behütete Studentin (Laure Valentinelli) und Migranten wie Rabah Nait Oufella so zusammenschweißen, wie es der Film suggeriert?” Ja^^ – wie können nur Studenten ernsthaft mit Menschen aus den Banlieues und oder Arbeits­losen verkehren – wie können sie nur? Eine uns bis heute unbeannte Seite “kunstundfilm.de” schlägt in die gleiche Kerbe – kann es offenbar nicht fassen, dass sich Studenten “aus gutem Hause” unter anderem mit einem “maghrebinischen Vorstädter” verbinden, wo sie doch nichts “außer ihrer Jugend” eine.

Man kann gar nicht soviel fressen, wie man über solche Schreiberlinge kotzen möchte. Dass Menschen anderen Menschen trotz der immensen Bemühungen von Politik und zahllosen willfährigen oder einfach nur dummen Medien auf Schritt und Tritt zu spalten (u.a. Obdachlose und Hartz-4-Empfänger gegen Migranten etc. pp. auszuspielen und aufzuhetzen, gegen Systemkritiker zu wettern, wenn diese nicht alibimäßig, bestenfalls halbgar und doppelbödig an ihrer langen Leine agieren), erkennen und leben, dass alle Menschen (zumindest wenn sie nicht mit dem goldenen Löffel geboren sind oder über die entsprechenden Seilschaften in Funktion gekommen sind) weltweit viel mehr eint als trennt, können solche Medienvertreter nicht nachvollziehen.

Unabhängig von dieser Frage, sind viele “Journalisten” auch gänzlich überfordert sich vorzustellen, was Jugendliche zu Attentaten auf primär Gebäude und Symbole wie Bankhäuser treiben könnte, wenn es ihnen – wie hier – der Regisseur nicht bis ins Kleinste vorkaut. “epd Film” meint dann tatsächlich neben Jugendarbeitslosigkeit und “gegen den Kapitalismus” ernsthaft ein “gegen die brennende Langeweile” als mögliches Motiv vermuten zu dürfen. Andere Schreiberlinge verzeihen dem Filmemacher nicht, dass er dem Staat in seinem schlichtweg sprichwörtlich gnadenlosen Finale “die moralische Überlegenheit” abspricht, als ob es nicht beunruhigende Realität wäre, dass mutmaßliche Täter egal in welchem behaupteten Kontext und mit welchem vermuteten Hintergrund auch immer, ob in den USA, in Deutschland oder in Frankreich systematisch an Ort und Stelle liquidiert werden, statt dass ein Prozess und Aufklärung noch möglich wäre. Oder die “Journalisten” zetern, dass es hier nicht um die vermeintlich grundlosen Taten von so genannten Islamisten geht, dass die jugendlichen Protagonisten “so gar nicht unserem Feindbild von Attentätern” entsprächen – wen sie auch immer mit “uns” meinen. Und dass Bonello “keine Stadt in Not” (Huff.Post: “Wir sehen kein Weinen, keine Massen, kein Schrecken”) zeige – wobei es ja eben der Gruppe im Film eigentlich klar erkennbar ausschließlich um Anschläge auf Symbole und Gebäude ging. Wenngleich nicht verschwiegen werden darf, dass einer der Jugendlichen im Kaufhaus völlig fehlgeleitet Sicherheitsleute erschießt, statt sie “nur” zu fesseln; und mutmaßlich auch bei den Bombenattacken tagsüber leider der eine oder andere unschuldige Mensch gestorben sein könnte, aber das war erkennbar nicht das Ziel der Clique! Sondern: Zeichen setzen – genau das, was bei realen, vermeintlich “islamistischen” Terrorakten von Querdenkern so oft verständlicherweise hinterfragt wird: warum suchen die sich Ziele, wo primär oder ausschließlich Zivilisten zu Schaden kommen. Das ist in Nocturama jedenfalls glücklicherweise nicht der Fall. Und so müssen Blätter wie der “Guardian” (dessen Autor Jordan Hoffman sich nicht entblödet, seine Kritik gleichwohl mit einer Koketterie, eigentlich mit einem “ISIS Rekrutierungsvideo” vergleichen zu müssen, aufzumachen) eben andersweitig abstrafen und Nocturama denn als “anstößigen”, “Hipster-Terrorismus-Film” titulieren, der zu schlau gemacht und leider nicht “nur” ein Studentenfilm sei, als dass man ihn gänzlich ignorieren könne.

Und auch wenn in Deutschland, wie gesagt, offenbar nicht gerade wenige namhafte Medien versuchen, diesen Film wie andere politische Kinostarts der letzten Monate und Jahre kaum Aufmerksamkeit zu schenken (erstaunlicherweise zählt das Bayerische Fernsehen diesmal nicht dazu, Roderich Fabian hat dort gar einen relativ ausgwogenen, weitgehend stimmigen Text veröffentlicht): Liebe Leser, falls Ihnen unsere nachdrückliche Empfehlung nicht genügt, Ausschau zu halten, ob Sie Nocturama in Ihrer Stadt aktuell auf der großen Leinwand sehen können, lesen Sie sich ruhig auch mal die vierzehn Seiten Produktionsnotizen durch. Stammleser der kulturkueche wissen, wie selten es ist, dass wir auf offizielles PR-Material verweisen – hier aber lohnt sich auch das Studieren der Verlautbarungen von Bonello. Zum einen wird klar, wie lange er an dem Thema bereits gearbeitet hat (und keineswegs wie hier und da kolportiert, dieses Unterfangen zum Beispiel erst “nach Charlie Hebdo” anging) und – unter anderem! – was ihn zuvörderst bewegte: “Es köchelt und brodelt und ich fragte mich: Warum explodiert es nicht? Sicher liegt es in der Natur der Menschen, sich anzupassen, sich zu integrieren und Dinge zuzulassen, die im Grunde inakzeptabel sind. Hin und wieder gibt es in der Geschichte dann einen Aufstand, eine Revolution. Eine Zeit, in der die Menschen ‘Halt’ sagen, sich verweigern.”

Fünf Doku-Neustarts im Schnelldurchlauf
Beuys – Andres Veiel hat schon einige bedeutende Filme gemacht (u.a. Der Kick und Blackbox BRD, selbst Die Spielwütigen, war trotz eines eigentlich nicht besonders vielversprechenden Themas mehr als sehenswert) – dieser gehlrt definitiv nicht dazu. Was keinesfalls am Thema liegt, denn dass jemand eine ernsthafte Doku über jemanden wie Joseph Beuys macht – einen Künstler, dessen Kunst in ihrer Gesamtheit formal betrachtet vielleicht keine immer besonders Bedeutsame oder gar verlässlich Erhellende war, der sich aber einmischte, zu heute noch gewichtiger erscheinenden Kapitalismuskritik viel zu sagen hatte – wäre zu begrüßen. Doch hier gibt es nur krude zusammengestückelte, teils mitten in einer Interviewantort abbrechende Versatzstücke aus überdies nicht annäherend sinnvoll gegliedertem Archivmaterial, was um ein paar O-Töne schludrig eingeführter Zeitzeugen bzw. Weggefährten (u.a. den Postkartenkünstler und unverbesserlichen SPD-ler Klaus Staeck und Kunstkritikerin Caroline Tisdall) ergänzt wurde. Zu allem Übel meinte Veiel offenbar, dass es besonders originär wäre, zigfach mit Zooms, Zeitlupen oder Überblendungen herumhantieren zu müssen und verhindert somit – nach dem Scheitern zu Werk und politischem Einfluss – auch noch darin, wenigstens auch nur den Menschen Beuys fühl- und erfahrbar werden zu lassen.

National Bird – Und gleich noch so ein Film, den viele deutsche Medien bezeichnenderweise zu ignoieren versuchen. Am Ende müsste man ja endlich mal eine gesellschaftliche Debatte zum deutschen Ramstein, wo das harmlos klingende “UAS satcom relay pads and facility” in Wahrheit aber einen zentrale Datenhub des weltweiten Drohnenkrieges der Vereinigten Staaten – der seit Jahren weit über Afghanistan hinausreicht – beherbergt wird, zulassen: In Sonia Kennebecks Dokumentarfilm sprechen (amerikanische) Soldaten, die aus der Ferne mit Drohnen töteten, offen über ihre Traumata, die sie nicht loslassenund  auch über ihre Mitschuld. Auch einige der unmittelbareren Opfer dieser perversen Technik, die Hinterbliebenen der oftmals grundlos (“Kollateralschaden”) und feige Ermordeten, kommen erfreulicherweise zu Wort. Der Film könnte schärfer sein, aber wahrscheinlich würde er dann im Kernland des Terror, den USA, noch weniger Beachtung finden. Immerhin erfährt der Zuschauer neben der perversen Tötungsmaschinerie an sich auch Einiges über die grundsätzlich lebenslangen Redeverbote, die Geheimdienste ihren ausführenden Organen auferlegen, vom Zynismus zahlloser Soldaten und Selbstbetrug.

Zwischen den Stühlen – Für eine Doku ist Jakob Schmidts Film über drei Referendare mit über 100 Minuten relativ lang, aber keineswegs langatmig. Im Gegenteil. Ohne jedwede Effekthascherei und ohne irgendwelche Mätzchen schafft es diese durchweg authentische Studie, nicht nur den Druck, den die drei vom Charakter her sehr unterschiedliche Lehranwärter (egal ob Grundschule, Gesamtschule oder Gymnasium) ausgesetzt sind, mitempfinden zu lassen, sondern auch eine Menge über die Schwierigkeit bei aufgedrehten Kids halbwegs ruhig und trotzdem lehrreich zu bleiben und das Räderwerk Schule an sich zu vermitteln. Und damit meinen wir keineswegs nur die an sich schon paradoxe Position, dass die Menschen im Referendariat bereits Schüler unterrichten, obwohl sie in gewissem Sinne selbst noch Schüler sind, ja von ihren Dozenten und Professoren benotet werden. Besonders tragikomisch ist der einzige männliche Portaitierte – einerseits vermittel er seinen Schülern das Grauen aus Hermann Hesses “Unterm Rad” und gibt dann aber in Gesprächen mit Vorgesetzten, und was noch schwerer wiegt auch in entspannterer Atmosphäre gegenüber dem Filmemacher zu erkennen, wie sehr er das gezielte (Ver-)formen von Menschen durch “das System Schule” an und für sich begrüßt.

6 Jahre, 7 Monate & 16 Tage – Im Untertitel Die Morde des NSU wird sofort klar, um was es gehen soll. Während der Prozess in München, um die Ermordung von zehn Menschen und zwei Bombenanschläge seit Mai 2013 (!) andauert – wir haben dazu zwei aufeinander aufbauende Sonderhefte vorgelgt, mit teils brisanten Recherchen, die im Verfahren bis heute weitgehend ausgeblendet wurden – hatte sich Regisseur Sobo Swobodnik dem Vernehmen nach vorgenommen, “den Opfern Individualität und Persönlichkeit zurück (zu geben) die ihnen jahrelang von den Strafverfolgern und der Öffentlichkeit aberkannt wurden. … die Brutalität der Mörder, das Versagen und den institutionellen Rassismus der Ermittlungsbehörden, die Verwicklungen der Verfassungsschutzorgane sowie die Nachlässigkeit und das Scheitern der Medien und Presse” zu zeigen. Abgesehen davon, dass das Wort Versagen an sich schon verharmlosend ist – schön wäre es! Doch das vorgelegte Resultat ist gefühlt Trillionen Kilometer von diesem Anspruch entfernt!  

Der durchweg schwarz-weiß gehaltene Film reist chronologisch an die Orte der Morde. Der Bombenanschlag in der Keupstraße, der Dutzende Menschen auf einmal hätte töten können, spielt gar keine Rolle.  Zum ersten Ceska-Attentat, auf den Blumenhändler Enver Şimşek im September 2000, hat man noch den Eindruck, dass die Doku Einiges nachstellen wird, denn ein Kameraschwenk fängt einen weißen Lieferwagen ein, in einem ähnlichen Fahrzeug war das Mordopfer seinerzeit in Nürnberg Langwasser gefunden worden. Aber die meisten, der oftmals künstlich verlangsamten “Bilder” des Films zeigen neben den Gebäuden bzw. Orten, an denen Menschen erschossen wurden, lediglich vage Eindrücke der umliegenden Straßenzüge, zufällig vorbeilaufende Passanten, Regenpfützen, einen auf dem Asphalt Nahrung pickenden Vogel, parkende Autos oder auch eine im Wind flatternde, zu Müll gewordene Plastiktüte. Lediglich einer der ermordeten Migranten wird innerhalb der rund 75 Minuten würdevoll ins Bild gerückt, aber dies auch nur, um eines der vielen – wir kommen gleich darauf zurück – aus dem Off eingesprochenen Zitate zu untermauern.

Dass der Streifen den Kunstgriff wählt, mit allerdings eben eher wahllosen, aber immerhin ruhigen Bildern und einem insgesamt penetranten Musikteppich (verantwortlich: Elias Gottstein), eine Grundstimmung aufzubauen, ist in Ordnung. Was dann aber auf Erzählebene abläuft, ist weniger als dürftig und teils auch formal absolut unbeholfen. Dass Tatdaten genauso vorgelesen werden, wie die Daten, wann ein zitierter Medienbericht erschien, wird für Menschen die im Thema “drin” sind, noch das Geringste Übel sein. Positiv ist einzig, dass durch eingeflochtene Zitate von einigen Angehörigen über die Kindheit bzw. über Träume und Hobbys der Ermordeten, ein klein wenig über die Menschen miterzählt wird. Das Gros der vorgetragenen Medienmeldungen erscheint weitgehend konzeptlos, dass immerhin ein paar kritische Sätze zur Bundesanwaltschaft und zu “Temme” im Film sind, reicht bei Weitem nicht aus, den Wissensstand um die zahllosen “blinden Flecke” im NSU-Komplex, die man den Hinterbliebenen bis heute zumutet, auch nur zu erahnen. Aber wenn man dann im Abspann liest, dass ein gewisser Professor – der unseres Erachtens aufgrund seiner Rolle im zugehörigen Fall Heilig vor Gericht gehört – auch hier wieder zumindest indirekt mitmischte, ist klar, dass wirklich Kritisches hier nicht erwartbar war.

Borderland Blues – Ein Film im Schatten der Sperranlagen, die es in den USA schon lange gab und gibt, ehe hierzulande Trumps perfide Wünsche nach noch mehr Abschottung “seines” Landes kritisiert wurden. Ohne irgendein drastisches Bild zu zeigen, erzählt die Münchner Regisseurin Gudrun Gruber, dass auch ohne die Erweiterungen jährlich Hunderte Migranten auf dem Weg von Mexiko gen Norden hier in der Sonora-Wüste ihr Leben lassen. Neben Aktivisten der Organisation “No More Deaths”, die aufopferungsvoll hier und da immer wieder Trinkwasserkanister platzieren (auf dass Flüchtlinge sie auf ihrem beschwerlichen Weg entdecken, ehe sie von Menschen, die etwas gegen Flüchtlinge haben, mutwillig zerstört werden – was offenbar in unschöner Regelmäßigkeit passiert) redete sie auch mit Mexikanern mehr als ablehnend gegenüberstehenden wirklichen oder Möchtegern-Sheriffs.

Gut an dem Streifen ist, dass er überdies unter anderem auch Schlaglichter auf die perfde “Sicherheitsindustrie” wirft, die Horrormärchen und lebensbedrohliche Technik verbreitet. Und, dass er auch “ganz normale” Anwohner zeigt, die sich klar gegen noch mehr Grenzzäune, jedoch aberwitzigerweise nicht gleichzeitig auch immer gegen Repressionen aussprechen – manchmal sind sie nur “anti”, weil sie sich selbst durch Überwachungskameras in ihrer eigenen Privatsphäre gestört fühlen. Trotzdem ist es einerseits kein Film, der dadurch gewinnt, dass man ihn auf der großen Leinwand betrachtet, und andererseits vor allem einer, der sich scheut, das wirkliche Leid der Menschen, die aus Mexiko einwandern wollen, auch nur ansatzweise greifbar zu machen. Auch ist es kaum vorstellbar, dass der Regisseurin auf ihrer Reise nur gemäßigte Rechte begeneten. Im Film kommen richtig menschenfeindliche Aussagen – irgendwer aber muss Trumps Pläne gegen das Nachbarland ja leider gut heißen – jedenfalls erstaunlicherweise nicht wirklich vor.



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