Ein Debütfilm über Misstrauen und Geheimnisse: “Der Heimatlose” versetzt seine Zuschauer auf eine kleine Insel in der Nordsee, wo Menschen leben, die aus der Zeit gefallen scheinen. Das ganze Setting der durchweg überzeugend gespielten Geschichte wirkt aufgrund unter anderem fehlender Gebäudedächer in den Anfangsminuten wie eine verkopfte Theaterproduktion. Spätestens bei den ersten eingestreuten Drohnenaufnahmen spürt man die Vorteile dieses Kunstgriffs.
Hein (Paul Boche) kommt mittels eines Fährmanns nach Jahren zurück auf diese Insel – in eine Gesellschaft, in der strenge Sitten und Gebräuche herrschen. Im Grunde auch so etwas wie eine – was das Arbeits- und Sozialleben anbelangt – weitgehende Geschlechtertrennung. Umso erstaunlicher, dass beim bald wegen eben jenes Rückkehrers tagenden Dorfgerichts (Julika Jenkins) eine Frau den Vorsitz hat.
Niemand von den Alteingesessenen mag sich so recht mit dem Gedanken anfreunden, dass der überraschende Gast wirklich der verlorene Sohn der Insel ist. Selbst die Mutter, der beste “Freund” und die etwa gleichaltrige Greta (Emilia Schüle), die dereinst offenbar damit rechnen durfte, eines Tages “Frau Hein” zu werden, erkennen den Kerl nicht wieder. Zumindest scheinbar. 14 Jahre sind vergangen. Das Problem ist nicht nur, dass Hein sich in jener Zeitspanne optisch anders entwickelt hat, als dass die Menschen hier ihn für einen der ihren halten könnten. Es geht vor allem um unterschiedliche Erinnerungen an einschneidende Erlebnisse: Die Dorfvorsteherin hinterfragt in einem regelrechten Gerichtsprozess jeweils wie Zeitzeugen etwas wahrgenommen haben und ob es fallweise gravierende Unterschiede zu Heins Version gibt. Etwa zum Drumherum bei der Beerdigung seines Vaters oder einem Initiationsritual, welches jeder Jugendliche der Insel zu durchlaufen hatte.
Anderssein und sich Fremdfühlen sind sozusagen die zentralen Subthemen des rund zweistündigen Films. kulturkueche.de sagt: sehenswert!
