17 Jahre nach seinem Debütfilm “Ex Drummer” liefert der Belgier Koen Mortier mit “Skunk” eine Milieustudie über das Leben in einem speziellen Jugendheim. Der Protagonist Liam (Thibaud Dooms) ist hier der Neuling. Aus einem verwahrlosten, gewalttätigen Elternhaus befreit, droht er vom Regen in die Traufe zu geraten.
Am Anfang von Skunk steht auf einer Texttafel “Jedes Kind hat eine Story zu erzählen”, im Abspann der Satz “basierend auf wahren Geschichten”. Plural, wohlgemerkt. Vieles was in den 106 Minuten dazwischen passiert ist spätestens nach einer Viertelstunde ziemlich vorhersehbar. Und vor allem extremst klischeebeladen. Ein “Vorwurf” den die besagte Einblendung am Ende leider nur schwerlich entkräftet. Ohne Wenn und Aber: alle Ereignisse die der Streifen zeigt, hat es leider so oder so ähnlich irgendwo bereits gegeben. Eltern die permanent verwahrlost wirken, ihrem Kind physische und psychische Gewalt antun. Mit gemeingefährlich wirkenden Hunden im Zwinger und Drogen und speziellen “Sexpartys” leben, die man auch als gezielte Vergewaltigung der Frau (Sarah Vandeursen) durch eine Horde von männlichen Gästen lesen könnte, die der Vater (Colin H. Van Eeckhout) von Liam offenbar selber einlädt. Ihren Sohn – das bestätigt sich durch ordentlich platzierte Rückblenden – sperren sie schon seit Jahren, oft über mehrere Stunden, in den Keller. Ob dessen Problem sich immer mal wieder – auch mitten in der Schule – einzukoten, vor dieser “Erziehungsmaßnahme” bestand oder durch diese hervorgerufen wurde, wird nicht so ganz klar. Vernachlässigung scheint es indes seit der Geburt des Jungen gegeben zu haben.
Vor einem – der Filmtitel spoilert bereits selbst – recht blutrünstigen Finale verbringt der bald 17-jährige seine Zeit in einem Heim für schwer erziehbare Kinder. Pauline (Natali Broods), David (Boris Van Severen) und Jos (Dirk Roofthooft), drei durchaus empathische, aber oft spürbar überforderte Sozialarbeiter geben ihren Schützlingen nominell genug Raum Talente und Vorlieben auszuleben. Etwa in der Arbeit mit Pferden oder in der Metallwerkstatt. Sport und Wandern und actionreiche Teamevents gibt es obendrein. Doch der Alltag der ausnahmslos männlichen Jugendlichen unter- und miteinander ist viel zu oft geprägt von Mobbing, körperlicher Gewalt bis hin zu nächtlichen sexuellen Übergriffen.
Dass “Skunk” fast pausenlos eine Atmosphäre des Unheils umgibt, liegt nicht zuletzt am finsteren Score der Post-Metal-Band Amenra. Dass nahezu jedem Zuschauer irgendwann im ersten Filmdrittel dämmert, dass die Geschichte nicht gut ausgehen wird, ist nicht das Kernproblem. Aber der Streifen krankt gleichwohl an mehreren Ecken und Kanten. Vieles wirkt als hätte sich RTL2 – allerdings mit seinen gängigen Techniken – daran gewagt ein heftiges und deftiges Sozialdrama zu inszenieren und sich dabei von Videoclips von “Die Antwoord” inspirieren lassen. Die mitschwingende Kritik am belgischen/europäischen Sozialsystem an sich ist löblich. Dass der gröbste Täter innerhalb der kruden Hackordnung im Jugendheim ein arabisch lesbarer Migrant spielt: nun gut. Es ist aber beileibe eben nicht die einzige grobe Oberflächlichkeit respektive billige Effekthascherei. Dazu zählt auch, dass Liams Eltern ihn mit Splatterfilmen fütterten.
