Das Wetter der letzten Tage ist zwar nichts Ganzes und nichts Halbes – trotzdem, oder gerade “jetzt erst recht” legen wir Ihnen mit der Empfehlung Hans Söllner und Bayamann Sissdem im Serenadenhof zu erleben, unseren ersten wirklichen Open Air Tipp der Saison ans Herz. Auch Kaya Yanar beehrt in diesen Tagen das Herz der Metropolregion, namentlich die Meistersingerhalle. Und King Hannah machen im Erlanger E-Werk Station. Neben diesem besonders viel versprechenden Programmen empfiehlt es sich übrigens immer mal wieder einen Blick in unsere in der Regel wöchentlich upgedatete Langzeitvorschau zu werfen. Dann müssten Sie sich jetzt zum Beispiel nicht ärgern, dass der Auftritt von Michael Hatzius und die Echse in der Fürther Comödie zwischenzeitlich restlos ausverkauft ist. Zumal auch für den restlichen Juni dort noch einige Geheimtipps schlummern, aber wie die folgenden Top-Tipps garantiert handverlesene Empfehlungen Ihrer seit jeher unabhängigen und damit unbestechlichen kulturkueche.de sind.

11.06.25 – Erlangen – E-Werk – King Hannah
King Hannah, ein englisches Musikduo aus Liverpool, bestehend aus Hannah Merrick und Craig Whittle, mischt IndieRock, Dream-Pop, Americana, Slow-Core und dunkle David Lynch-hafte Klangräume.
Sie veröffentlichten auch Cover-Songs, wie eine Version von Bruce Springsteens “State Trooper” und Madonnas “Like A Prayer”.
Damit haben sie offenbar einen Nerv der Zeit getroffen, obwohl oder gerade weil ihr Sound oft wie ein Echo aus vergangenen Zeiten klingt. Mit ihrem Debüt „I’m Not Sorry, I Was Just BeingMe“ gelangten die Briten quasi über Nacht zu Indie-Ruhm, der sie auf den folgenden, ausgedehnten Tourneen auch in das eigentliche Kernland ihres Sounds führte. Denn ihr Sound assoziiert eine mythische amerikanische Landschaft durch die sie gemeinsam mit Bill Callahan/Smog, den Red House Painters, Mazzy Star und Bruce Springsteens StateTrooper wandeln. Aber auch Bilder dunkler Großstadt-Clubs erfüllt vom Feedback einer Shoegaze-Band, der Magie von Portishead und der frühen PJ Harvey flackern in ihrem Sound auf. Ihre sparsam instrumentierten Songs sind Werke voller Dunkelheit und Witz, hypnotisierend und mitreißend gleichermaßen. Auf ihren aktuellen Album “Big Swimmer”, steuert Sharon Van Etten auf zwei Songs ihre Stimme bei und viele sprechen von einem wahren Meisterwerk.
Live überzeugte die Band z.B. als Headliner auf der Hauptbühne des Haldern Pop Festivals.
Ort: Etage 1 des E-Werks – Einlass: 19:00 Uhr – Beginn: 20:00 Uhr
12.06.2025 – Nürnberg – Meistersingerhalle – Kaya Yanar
Klimakleber, Geflüchtete, Trans-Personen, Gendersternchen, Wokeness, Political Correctness, Blackfacing, Brownfacing, Kulturelle Aneignung, Cancel Culture, Rassismus, Sexismus, Pflaumenmus.
Ist die Welt komplizierter geworden oder Kaya einfacher? Welche Witze kann er noch machen? Hat Humor Grenzen und wenn ja, wie viele?
Früher war alles einfacher. Oder ignoranter? Die Welt wird immer schneller und komplexer, wer nicht Schritt halten kann, der ist verloren. Lost.
Aber egal, was noch passieren wird, man braucht Humor. Charlie Chaplin sagte mal: „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag!“ Haben Sie heute schon gelacht? Wenn nicht, dann kommen Sie zu Kayas brandneuer zeitgeistiger Live-Comedy-Show „LOST!“ Und wenn Sie schon gelacht haben, kommen Sie trotzdem und lachen noch mehr.
Bei weitem nicht “nur” weil er als einer der ersten namhaften deutschsprachigen Mainstream-Künstler (nach Sandy Mölling, bekannt geworden als Mitglied der Girlgroup No Angels) vor vielen, vielen, vielen Monaten seine Stimme erhoben hat gegen einen fürchterlichen Genozid an Menschen in Gaza, sondern weil er bereits seit Jahren ein ausgezeichneter Wortakrobat und Comedian ist, legen wir Ihnen sein Gastspiel in der Meistersingerhalle (Großer Saal) diesen Herrn ans Herz. Beginn ist um 20 Uhr – Einlass eine Stunde davor.
14.06.2025 – Nürnberg – Serenadenhof – Hans Söllner und Bayaman’Sissdem
Der Nürnberger Serenadenhof ist wenn auch eher eine der kleineren seit Jahrzehnten eine der schönsten Open-Air-Locations die es in der Metropolregion Nürnberg überhaupt gibt. Haindling wird hier in Kürze auch vorbeischauen, sein Gig ist aber bereits ausverkauft. Für “den Hansi” indes gibt es noch Restkarten.
Söllner hier noch groß vorzustellen wäre in den Augen Ihrer Kulturköche irgendwie seltsam. Daher erwähnen wir zuvörderst, dass dieses anstehende Gastspiel mal wieder “mit Band” stattfindet. Der inzwischen bald 70-Jährige (seinen Geburtstag teilt er sich mit keinem Geringeren als “Jesus Christus”) gesellschaftskritische und hochpolitische Liedermacher war mit Bayaman‘Sissdem zuletzt 2019 unterwegs.
„.. Der Mann gehört ins „Great Bavarian Songbook“, in die Ruhmeshalle Bayerischer Songschmiede“ sagt der Bayerische Rundfunk – und da hat er ausnahmsweise mal in allen Punkten recht. Seit rund 40 Jahren ist er nun unterwegs, der Mann aus Bad Reichenhall und irgendwo zwischen Bob Dylan, Johnny Cash und einem bayerischen Wilderer treibt Söllner sein Wesen – singt in der Songwriter-Tradition amerikanischer Direktheit, mit großem musikalischem Instinkt und so, als seien freiheitssuchende Pioniere in die Alpen zurückgekehrt. Söllners Blick aufs Leben ist unbestechlich, sein Bild von der Welt in der er leben will, ist ein Gerechtes und seine Wut auf die, die diese Welt und ihre Lebewesen zerstören wollen, kommt mit Urgewalt. „Wir haben vergessen, dass wir die einzige Spezies sind, die sich dazu entscheiden kann, etwas zu verändern. Wir können das Elend beenden, bevor das Elend uns beendet. Ich versuche an das Gute zu glauben, auch wenn mir das nicht immer gelingt und ich immer wieder in meinen Liedern unsere Verlogenheit zeige“, sagt Söllner. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Hoffnung immer die größte Kraft in seinen Liedern, ist Zärtlichkeit und Liebe immer stärker als die Wut oder die Verzweiflung. Aber wehe denen, die den Begriff von Freiheit missbrauchen, oder Söllners ureigenste Freiheit beschneiden wollen, seine Direktheit und Grobheit kann gnadenlos sein und seine Zielgenauigkeit bei der Ortung falscher Töne ist legendär.
Also haltet Euch fest, Ihr Feingeister und Konflikt-Vermeider, hier geht’s zur Sache. In seiner Sprache, die nicht nur ein bisschen Bayern spielen will, lebt Söllner in dem was und wie er es sagt, mit aller Kraft und unglaublichem Nachdruck.
Hans Söllner jault und flüstert – schreit und schimpft – spricht und erzählt – lacht und grinst –macht einen traurig oder fröhlich – treibt einen voran und hält einen fest. Eindringlich – genau – unerbittlich und immer im Rhythmus des Lebens. Mit dabei Manfred Puchner / Stephan Hofer / Peter Pichler / Sumalee Berlinger.

