der kulturkueche.de-Livetipp für November 2022 für ganz Franken: am 09.11.2022 gastiert der legendäre Hermann van Veen in der Meistersingerhalle Nürnberg – Einlass 19.00, Beginn 20.00 Uhr
Nachdem sein Konzert im Frühjahr wegen eines Krankheitsfalles im Ensemble leider verschoben werden musste, kommt der inzwischen 77-jährige, aber immer noch im besten Wortsinne Kind gebliebene Hermann van Veen in der kommenden Woche endlich mal wieder nach Nürnberg: dabei sind die Geigenspielerin und Sängerin Jannemien Cnossen, die Harfenistin, Percussionistin und Sängerin Wieke Garcia, der Bassist und Keyboarder Kees Dijkstra und die Komponistin und Gitarristin Edith Leerkes. Von van Veens Hand erschienen bis heute einhundertachtzig CDs, mehr als achtzig Bücher, und um die fünfhundert Gemälde. Sowohl für sein künstlerisches Werk als auch für seinen Einsatz bei Projekten für Frieden, Sicherheit und Verbundenheit wurde er zahllose Male ausgezeichnet.
Mit leisen Tönen und geistreichen, rätselhaften, lustigen und verrückten Worten verzückt Herman van Veen sein Publikum seit Jahrzehnten. Wie kaum ein anderer hat sich der niederländische Ausnahmekünstler einen festen Platz in der europäischen Kulturlandschaft erobert. Van Veen berührt jeden, der jemals mit ihm in Berührung gekommen ist. Er singt Lieder von der Liebe, ohne kitschig zu sein. Er bedient sich feiner Ironie, selbstironischer Heiterkeit und erzählt tragikomische Geschichten, die das Publikum in einen Zustand nachdenklicher Heiterkeit versetzen. Mit feinem Sprachwitz erzählt er, was er sieht und was er fühlt und scheut sich auch nicht, autobiografisch oder auch mal albern zu sein. Van Veen ist ein Magier der Worte, der aus scheinbar belanglosen Alltäglichkeiten emotionale Sensationen herausarbeitet. Er ist ein scharfer Beobachter und vorsichtiger Erzähler, dessen Themen sich, wie er selbst sagt, auf die Begriffe »Baum – Haus – Straße – Papa – Mama – Mann – Frau« herunterbrechen lassen. Und gerade das macht die Nähe aus, die der Besucher bei jedem seiner Konzerte erfahren kann. Entsprechend wird sicher auch sein Auftritt in der Meistersingerhalle verzaubern.
Was viele nicht wissen: 1987 lernte van Veen den Musiker und Texter Heinz Rudolf Kunze kennen. Mit der 1989 erschienenen Langspielplatte/CD Blaue Flecken begann eine Reihe von Alben, auf denen Kunze die Mehrzahl der Texte beisteuerte und auch als Übersetzer für den niederländischen Ausnahmekünstler in Erscheinung trat.
Das Motto von van Veens aktueller Tour lautet “Mit dem Wissen von Jetzt” – als er sich dieses ausgedacht habe sei es ein Jahr her gewesen als ihn jemand vom Theater fragte ob er vielleicht schon wüsste, was er und seine Mitstreiter demnächst spielen würden. Das nahm er zum Anlass folgender Verse: “Oh je, dachte ich, das hängt von so vielem ab. Wie zukunftssicher kann in meinem Alter so eine Ankündigung sein? Es kommt doch immer anders als du denkst auch wenn du denkst es wird wohl anders laufen als du denkst, dann läuft es doch noch anders, als du denkst. Schon sicher weiß ich wohl, wenn alles so läuft, wie ich es erhoffe, dass wir einen Stuhl schmücken, denn ich werde sechsundsiebzig [Anm. d. Red.: inzwischen ist er gar schon 77]. Nicht ganz so alt wie der längste bewaffnete Frieden, den es in unseren flachen Landen jemals gab. Also singen wir fest und sicher froh und frei nach Chawwa Wijnberg: Veilchen, Nelken und eine Tasche Lauch was haben wir zu feiern Veilchen, Nelken und eine Tasche Lauch. Ja, abgesehen von ein paar knirschenden Einzelteilen und dem regelmäßigen Vergessen von Namen, betrachte ich diese Zeit (auch wenn ich heute weniger jung bin als gestern) als die beste meines Lebens – soweit für heute”
Dass es bei dieser aktuellen Tournee neben alten Hits, Clownerie und literarischem Kabarett auch eine Menge sehr Zeitgemäßes zu erleben gibt berichtete unlängst ein Zeitungskollege, der das Vergnügen hatte van Veen vor wenigen Tagen live in Aachen zu erleben: der Künstler sei demnach zu Höchstform aufgelaufen, “schafft durch die schnellen Brüche in Musik und Text, in Form und Stimmung diesen rasanten und doch erholsamen Ritt durch seine bunte und so herrlich nicht-digitale, weil analoge Welt, in der sich Menschen noch leibhaftig begegnen. … Dass er ein Nachkriegskind sei und das auch bleiben wolle, sagt er früh am Abend. Wahnsinn, Scham, manchmal Mutlosigkeit, manchmal Wut empfindet er bei den Mächtigen der Sorte Trump, Assad oder Putin – ein Refrain aus einem reichhaltigen, sehr aktuellen deutschen Lieder-Programm lautet: ‘Wie findet der Verstand die Menschen?’ Und die Frage des Abends, durchaus auf den Umgang der Menschheit mit ihrer Natur, mit ihrem Lebensraum bezogen, heißt: ‘Wie viel ist genug?’ … Ansonsten kommen die Emotionen, das Herz, die Sehnsucht und Melancholie an diesem Abend wahrlich nicht zu kurz. Die liebevollen Erinnerungen an die Eltern, die gefühlvollen Umarmungen für die Freunde, die stolzen Schwärmereien von den Kindern.”
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