Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kurzkritik zu “Alle wollen in den Himmel”

Irgendwo in Bayern treffen der gerade gefeuerte Museumswärter Karl und der nigerianische Hausmeister Francis  aufeinander. Beide sind dabei etwas zu begraben. Es ist nicht die Anfangssequenz in “Alle wollen in den Himmel” aber der Beginn einer ebenso besonderen wie skurrilen Freundschaft in einer sehr unkonventionellen Kinoproduktion der man – und das ist hier explizit als Lob gemeint! – in nahezu jeder Minute anmerkt, dass es keine klassische Filmfinanzierung gab.

Einer der beiden Köpfe hinter dieser mit überraschend ausgefeilten Bildeinstellungen und Kurzweiligkeit aufwartenden Leinwandspaß spielt auch besagten Karl: Gemeinsam mit Produzent Stephan Holzner hat jener Regisseur Peter Horn stolze sieben Jahre an dem Werk gefeilt, in dem sich vieles um ein noch fehlendes Gipfelkreuz, Voodoo-Zauber, katholische Extremisten, rassistische Klischees und die eine oder andere weitgehend unerwiderte Liebe dreht.

Der Film beginnt dabei mit einer Off-Stimme und einigen Bildern, womit in Wort und Zeichen klar wird, dass die Macher von “Alle wollen in den Himmel” mutmaßlich nicht die unkritischsten Fans von Wimpeln von Vereinen, Flaggen von Parteien, religiösen Gegenstände oder Statussymbolen sein dürften. Gleichwohl wird der zweiten Hauptfigur, der Figur des Francis, einem Vertreter der Igbo-Kultur, durchaus positive Neugier entgegengebracht. Was nicht heißt, dass er ansonsten drehbuchtechnisch mit Samthandschuhen angefasst wird. Überhaupt ist die Geschichte immer dann am Stärksten, wenn Engstirnigkeit – egal ob von Aristokraten, Pfarrern oder auch ganz “normalen” Bürgern teils mit dem Holzhammer seziert wird. Mancher Pseudo-Woke wird dem von “Yerra Film” ins Kino gebrachten Werk vielleicht eine musikalisch unterlegte Sequenz im Schlussdrittel übelnehmen, in der es um einen versinnbildlichten Perspektivwechsel geht. Wer allerdings nicht fähig ist, dies im Gesamtkontext zu würdigen, hätte wahrscheinlich vor Jahren in mancher Schlingensief-Produktion das aufführende Lichtspielhaus angezündet.

 



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