Wenn der Grimme-Preis-geehrte “Zimmer frei”-Moderator, Archivwühler und Doktor der Musikwissenschaften Götz Alsmann in den letzten Jahren eine neue Platte veröffentlicht, steht immer ein bestimmtes Thema im Vordergrund.
Nach dem Album für Verliebte (“Zuckersüß” 1999) und dem Ausflug ins Vorstadtkino der Gefühle (“Filmreif” 2001) verhilft der Mittvierziger auf “Tabu!” nun Jazzschlagern über ferne Länder, verwunschene Oasen, okkulte Riten und geheimnisvolle Frauen zu neuem Glanz.
Beim gleichnamigen Live-Programm verzichtet der Mann mit der lustigen Haar-Tolle auf Gaststars wie Jasmin Tabatabei, die das nicht zuletzt in puncto Artwork liebevolle Album bereichern. Aber auch alleine mit seiner exzellenten Stammband, die Posaune, Bassgitarre, Schlagzeug und Bongos erklingen lässt, zaubert Alsmann am Klavier oder mit Ukulele wundervolle Arrangements, die nicht nur zwingen, den manchmal ein wenig verrucht wirkenden Texten zu lauschen, sondern immer auch wenigstens ein Körperteil im Takt zu bewegen. Gerade weil auf elektronische Klänge oder sonstigen modernen Schnickschnack in Gänze verzichtet wird.
Die Musik pendelt immer irgendwo zwischen Rumba, Boogie, Mambo, Cha Cha, Swing oder reinstem Jazz. Erstaunlich wie gut größtenteils angestaubte Schlager aus den 30igern bis 60igern, die einst Heinz Erhardt, Bill Ramsey und Chris Howland interpretierten, volle zwei Stunden tragen, ohne auch nur eine Sekunde peinlich oder aus heutiger Sicht lächerlich zu erscheinen. Selbst wenn der Münsteraner von seinem liebsten Talismann, einem “kleinen Bär mit großen Ohren” erzählt, eine Stripperin huldigt oder in einem eigentlich deutschsprachigen Lied “Miss, Miss, Miss” auf “Kiss, Kiss, Kiss” reimt, wirkt das stets spritzig und charmant und nie parodistisch.
Alle Stücke, auch die wenigen selbst geschriebenen und die deutsche Fassung von Duke Ellingtons “Caravan” zeichnen sich – wie Alsmann es beschreiben würde – zuvörderst durch eine Opulenz des Wortes aus. Das wichtigste bei einer gelungenen Bühnenshow dieses Sujets sind aber natürlich Spielfreude, Wortwitz und die Kunst, in den Bann zu ziehen. Auch das gelingt den fünf Herren in ihren dunklen Anzügen bravourös. Das i-Tüpfelchen bilden schließlich die kurzen Kabaretteinlagen, die um verdreckte Hotelzimmer, Formatradio und natürlich deutsche Sangeskunst kreisen. In seinem nächsten Programm wird sich das Allroundtalent übrigens wieder dem Thema “Film” widmen. Neue Lieder und eine Lesung zur legendären “Feuerzangenbowle” sind schon so gut wie fertig.
