Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Wo die Liebe hinfällt

In Lars Kraumes romantischer Berlin-Komödie “Die Unschärferelation der Liebe” glänzen Caroline Peters und Burghart Klaußner als sehr ungleiches Paar: Der Weg, wie die Beiden zueinander finden, erscheint genauso rätselhaft, wie manches aus der Quantenphysik.

Schulsekretärin Greta redet wie ein Wasserfall. Sie ist laut, spontan und eine notorische Lügnerin. Musikliebhaber Alexander ist Metzger. Sein Geschäft läuft offenbar mehr schlecht als recht, seine Tagesabläufe sind wohl seit Jahren die gleichen. Bis sie ihn – scheinbar zufällig – mit einer geliebten Person verwechselt. Jedenfalls küsst sie an einer Haltestelle in den Nacken und hängt an ihm ab jenem Moment wie eine Klette. Zunächst als äußerst lästig empfunden, gewöhnt sich Alexander doch recht rasch an Gretas Art. Die Beiden lernen sich nun wirklich kennen, denn sie kann letztlich auch ehrlich sein . Und so werden manche Geheimnisse gelüftet, vergessene Wünsche in Erinnerung gerufen und eben nach und nach einige Lügen entlarvt. Und es ist kein spoilern, wenn wir hier verraten, dass die Zwei  ernsthaft zusammenkommen, denn in dem neuen Film von Lars Kraume zählt der (unberechenbare) Weg zur Liebe und nicht das von Anfang an zu erwartende Ergebnis.

„Die Unschärferelation der Liebe“ ist eine romantische Komödie mit einem kleinen Schauspieler-Ensemble, das nicht passender hätte ausgewählt werden können. Caroline Peters hat in vielen Filmen, wie zum Beispiel „Womit haben wir das verdient“, aber vor allem in der Krimiserie „Mord mit Aussicht“ ihre komische Ader bereits unter Beweis gestellt. Burghart Klaußner (unter anderem „Das weiße Band, „Der Mann von der Botschaft“), der hier auch bei der Produktion beteiligt war, ist als Alexander Gretas ernster Gegenpol, vor der Begegnung ein regelrechter Eigenbrötler. Die Beiden harmonieren hervorragend, ziehen die Zuschauer bis zur letzten Minute mit.

Der preisgekrönte Regisseur Kraume („Der vermessene Mensch“, „Das schweigende Klassenzimmer“, „Der Staat gegen Fritz Bauer“ – da schon mit Klaußner) kann also nicht nur ernsthafte und historische Themen sondern auch herrlich komisch, liefert bei seiner was die Texte angeht ziemlich strengen Adaption des Theaterstücks “Heisenberg” des britischen Dramatikers Simon Stephens erfreulicherweise aber weder Plattitüden noch Langeweile wie es leider viele Romcom tun. Vor allem schafft er neben seinen beiden Hauptfiguren auch die Stadt Berlin nicht als bloße Kulisse zu inszenieren, wie das leider viele seiner Berufskollegen seit Jahren tun, wenn dort ein Film gedreht wird und schon in vielen Anfangssequenzen mindestens 3,5 Sekunden lang der sattsam bekannte Alexander-Funkturm sinnfrei ins Bild gerückt wird. Hier gibt es stattdessen unter anderem eine Eisenbahnfahrt durch den Britzer Garten oder ein Wiedersehen mit DEFA-Star Carmen-Maja Antoni, die in einer Szene in Alexanders Metzgerei nachdrücklich fleischloses Hack fordert. Und schlussendlich hält Kraume all jenen Vertretern der “jungen Generationen” wortlos aber nachdrücklich den Zeigefinger vor die Nase, die glauben, dass “die ab 50” ihr Leben schon gelebt haben.



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *