Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Die Sonne grüßt vom Nachtkästchen

Gibt es zum Tagesstart etwas Schlimmeres, als von einem vielleicht auch noch derben Klingelton aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden? Der auvisio Wake-up-LED-Radio-Wecker von pearl.de verspricht Abhilfe: indem nach und nach zunehmende Helligkeit auch im noch so verdunkelten Schlafgemach einen Sonnenaufgang simuliere, könnten Geist und Körper sanfter wachwerden.

Es gibt wohl nicht viele Menschen, die sich freiwillig “mitten in der Nacht” aus dem Bett quälen, vielleicht noch eine lange Anfahrt in Kauf nehmen müssen, um dann um sechs Uhr ihre Schicht anzutreten. Aber auch wer humanere Arbeitszeiten und kurze Anfahrtwege hat, ist gemeinhin darauf angewiesen, zuverlässig zu einer bestimmten Uhrzeit wach geworden zu sein.

Manche, die sich mit klassischen Weckern schwer tun, weil sie immer wieder auf snooze schalten und dann letztlich verpennen, haben seit einigen Jahren die Möglichkeit, sich in gewisser Hinsicht mit Extremsport wach zu quälen, indem sie Wegrenn- oder Propeller-Uhren an alle möglichen und unmöglichen Stellen, die es im jeweiligen Schlafzimmer gibt, nachjagen, nur um deren gezielt nervige Ton-Signale ausschalten zu können. Schöner, als sich von einem allmorgendlichen Zufalls-Song oder gar Moderationstexten des persönlichen Lieblings-Radiosenders wecken zu lassen, war dann die spätestens mit Smartphones omnipräsente Möglichkeit, den Weckdienst vom Handy besorgen zu lassen, mit individuell programmiertem Ausschnitt aus dem aktuellen Lieblingssong begrüßt zu werden. Abgesehen davon, dass man dann die Mobilfunkstrahlung auch noch im Schlafgemach hat, drehen sich auch dann viele wieder zur Seite. Wirklich sanft wachwerden und sich dann ausgeruht zu fühlen, das wäre es doch! Dies zu gewährleisten und somit auch das mit dem selig weiterschlafen zu vermeiden, wollen Wecker, die mit Hilfe unterschiedlich starker LED-Lichter arbeiten, dem menschlichen Körper – egal zu welcher Uhrzeit jemand wach werden will oder muss – einen schönen Sonnenaufgang vorgaukeln und ihn so nicht mit einem (Gong)schlag, sondern gemächlich binnen dreißig Minuten sanft wach werden lassen. Auch der „auvisio Wake-up-LED-Radio-Wecker“, den wir bei der Suche nach einem betont preisgünstigen Modell (über Hundert Euro von namhaften Firmen, die früher mal “nur” für Fernseher bekannt waren, schrecken doch sehr ab!) beim Versandhandelsspezialisten Pearl.de gefunden haben, verspricht dies.

Es ist ein rundes, ganz in weiß gehaltenes Gerät (170 x 90 mm Durchmesser und 275 g schwer) mit einem ordentlichen Standfuss. In der Mitte des Radioweckers ist ein LED-Display, umgeben von einem ca. 5 cm breiten Lichtring, der – je nach Einstellung – entweder als Nachtlampe dient oder Farbspiele im dunkleren Zimmer bietet. Vor allem aber fungiert dieser Lichtring auch als Sonnenaufgangssimulation, allerdings nur wenn das Gerät mittels Strom bedient wird. Greift man auf die batteriebetriebene Lösung, etwa beim Zelten zurück (gefragt sind dann zwei AAA Batterien, diese werden nicht mitgeliefert), muss man sich mit Uhrzeitanzeige und Weckgeräuschen bzw. Radio begnügen. Aber die Variante USB-Kabel an Steckdose dürfte gemeinhin die Übliche sein und dann beweist der auvisio-Wecker sein ganzes Können.

Das LED-Display zeigt auf weißem Grund rot leuchtend die Uhrzeit – diese Anzeige verliert in der Nacht zwischen 23 und 6 Uhr etwas an Leuchtkraft, ansonsten lässt sie sich mit einem simplen Knopfdruck für die, die es zur Schlafenszeit wirklich dunkel im Zimmer wünschen, auch ganz wegschalten. Diesen “Trick” findet man allerdings leider nicht bei pearl auf der Webseite oder in der Bedienungsanleitung, sondern in Käufer-Foren. Ferner leuchtet (wenn die Aufstehzeit einprogrammiert und aktiviert wurde) das Weckzeichen, die per sanfter Touch-Berührung  wie am Smartphone bequemst ansteuerbaren Bedienfelder für besagten Leuchtring: einmal die Taste, um den Lichtring ein/auszuschalten (beziehungsweise die Farbwechselfunktion zu aktivieren) und vier Tasten, die als verschiedenfarbige und unterschiedlich große Sonnen dargestellt sind – richtig: Diese symbolisieren die unterschiedlichen Helligkeitsgrade. Auf der Rückseite des Geräts befinden sich schlußendlich noch vier Bedienknöpfe, mit denen man Uhr- und Weckzeit, einen von sechs Natur-Weckklängen bzw. die Radiofunktion und die jeweils gewünschte Lautstärke einstellen kann.

Auf den ersten Blick sieht das Ganze nicht nur ansehlich aus, sondern scheint auch einfachst in der Bedienung. Mitgeliefert wird auch eine zweisprachige (deutsch-französisch) Bedienungsanleitung, auch diese wirkt recht übersichtlich. Wir hatten uns für den Betrieb mit Strom entschieden und das Gerät zunächst als Lichtquelle beim Lesen (weißes Licht bis zu 66 Lumen hell) und dann als Farbspiel ausprobiert. Alles funktionierte bestens. Auch das Radio programmiert sich schnell auf relativ leicht anwählbare Stationstasten mit den jeweils stärksten “on Air” empfangbaren Sendern.
Die Uhr- oder Weckzeit einzustellen ist schon ein klein wenig friemelig, da man das Gerät zumindest am Anfang hin und her drehen muss, um zu sehen, welche Tasten man drückt und was das Ergebnis ist, und – ist man nicht schnell genug, das Gerwünschte zu bestätigen – muss man das Ganze nochmal machen. Und bei jedweder Stromunterbrechung, auch wenn man in 1-2 Sekunden beispielsweise den Steckdosenplatz mit dem Handy-Aufladekabel tauschen möchte – gehen bei diesem Radio-Wecker alle Einstellungen verloren.

Jetzt zum Thema Wachwerden. Der aktive Weckalarm hat laut Bedienanleitung drei Stufen: Sonnenaufgangssimulation, Alarmton 50% und Alarmton 100%. Unter den Tönen sind verschiedenartiges Vogelzwitschern mit oder ohne Nutztiergeblöke, Wasserplätschern, Urwaldgeräusche, Meeresrauschen mit Möwengeschrei, oder – alternativ zu den Naturgeräuschen – FM-Radio wählbar. Alle diese Alarmstufen hängen zusammen. Die Sonnensimulation fängt eine halbe Stunde vor der tatsächlichen Weckzeit von der niedrigsten Stufe an und nimmt Stück für Stück an Leuchtkraft zu – erfreulicherweise ohne, dass es dazu irgendwelche “Umschaltgeräusche” gibt, kein Klicken, kein Klacken weit und fern. Auch nicht beim Start des Leuchtrings an sich. Idealerweise nimmt der Wachzukriegende die Lichtspielchen, die zweckdienlicherweise auf seinem Nachtkästchen abgehen, “unterbewusst” war, gerät nach und nach sanft vom Schlaf- in einen Dämmer- und schließlich angenehmen Wachzustand. Wenn man nach den ersten verhaltenen Lichtstrahlen länger als 20 Minuten dem pearl-Produkt ermöglicht, sein Konzept durchzuziehen, schaltet sich 10 Minuten vor der eigentlich programmierten Weckzeit für exakt eine Minute der Alarmton an: auf zunächst 50% der (eingestellten) Lautstärke, das Gerät signalisiert also eine Gnadenfrist von neun Minuten ehe man dann wirklich aufstehen sollte – Schlag X wird der Sound dann 100% laut. Je nachdem, wie hoch die Lautstärke vorher eingestellt wurde, kann diese auch bei 100% recht leise sein, so dass eine etwaige zweite Person im Schlafzimmer, die noch nicht aufstehen will oder muss, nicht sehr gestört wird. Über diesen Menüpunkt/die für die individuelle Lebenswirklichkeit beste Intensität von Naturgeräuschen (oder Radioton) sollte man sich unbedingt vor der ersten Nutzung Gedanken machen!

Über die Sinnhaftigkeit der ersten kleinen Geräuschwelle Minuten vor der tatsächlich gewünschten Aufweckzeit konnten wir innerhalb der Tester-Redaktion nicht wirklich Einigkeit erzielen: die einen fanden es total überflüssig, gar die schöne Sonnenfunktion ein Stück weit konterkarierend, andere fanden die eine Minute Sound vorab gerade toll: das helfe wirklich schonend wach zu werden. Die Töne lassen sich übrigens auch bereits in der ersten Phase mit einer kurzen leichten Berührung irgendeiner der Display-Tasten wegschalten. Um den Lichtring gänzlich auszuschalten, muss man indes drei Sekunden lang eine ganz bestimmte Taste berühren.

 

Fazit: Der handliche auvisio Wake-up-LED-Radio-Wecker sieht niedlich aus und erscheint uns für 26,90 Euro für das, was er bietet, auch nicht wirklich teuer. Er kann sowohl getrennt als Wecker, als Radio, als Nachtleselampe oder auch als temporäres Farbenspiel etwa abends im Wohnzimmer beim TV-Glotzen – oder auch in Kombination aus vielen dieser Elemente – benutzt werden. Allerdings nerven eine unvollständige Anleitung (insb. was das komplette Ausblenden der Uhrzeitanzeige angeht) und das insgesamt etwas zu umständliche Handling. Die Tasten auf der Rückseite wären beispielsweise praktischer seitlich angebracht. Und: Vor allem bei den “Naturklängen” hätte man unseres Erachtens eine größere und vor allem qualitativ schönere Auswahl treffen können.

Bestellablauf/Handling: 3/5 – Qualität/Originalität: 3/5 – Preis/Leistung: 4/5



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