Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

ARCHIVtext 2003-2010 Traumschiffmusik gegen Armut

Ein brasilianisches Straßenkinderprojekt tourt durch Deutschland

 

Sie kommen aus Rocinha, mit 200.000 Einwohnern der größte urbane Slum Rio de Janeiros, und wollen Profikarrieren machen: Michele, Perdo, Carlson, Flávia und zwei Rodrigos. Ihre Heimat ist hierzulande bisher hauptsächlich dafür bekannt, dass die vielen Straßenkinder keine wirkliche Chance auf ein normales Leben haben. Die meisten würden in die Drogenkriminalität und Prostitution abrutschen.

 

Ganz andere Aussichten hätten nun jene sechs jungen Leute, die sich vor zwei Jahren zu der Band “Seis Que Sabem” zusammengeschlossen haben, was auf Deutsch so viel, wie “sechs, die es können” bedeutet. Entsprungen sind die lebensfrohen Nachwuchskünstler dem mittlerweile zehn Jahre alten Straßenkinderprojekt “Musikschule Rocinha”, in denen Kinder und Jugendliche nicht nur Instrumente spielen lernen, sondern mit dem eigenem Talent wenigstens ein kleines Einkommen verdienen können.

 

Hunderte Kinder, so Gründer Hans Ulrich Koch, hätten das Angebot, das Kreativität und Selbstwertgefühl fördern und durch musische Bildung einen Weg zeigen will, ihre Persönlichkeit und Begabung zu entfalten, bereits angenommen. Einige sind dann gar als Lehrer an der Schule geblieben. “Seis Que Sabem” seien das Aushängeschild der Musikschule. In ihrer Heimat tritt die Band, in der fast jeder auch einmal die Rolle des Sängers übernimmt, regelmäßig in Kirchen, in Clubs und auf Partys auf.

 

Ihr Repertoire ist nicht neu, sie spielen brasilianische Melodien von Samba, Bossa Nova über Chrinho, Baiao bis hin zu Frevo, die so bekannt sind, dass sie – wie beim vom Goethe-Institut unterstützten Tourauftakt in der brasilianischen Botschaft in Berlin – schnell beliebig wirken können. Irgendwie ein Touch zuviel “Traumschiffmusik”, wenngleich die Stimmen wirklich von großem Talent zeugen und die sechs auch Ihre Instrumente – u.a. Querflöte, Blockflöte, Akkordeon, Keyboard, E-Bass, Schlagzeug und Gitarre – tadellos beherrschen. Mut zu Eigenem, Unkonventionellerem täte gut.



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