Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Drei Augen sehen mehr als zwei

“Pan Tau” sowie “Luzie, der Schrecken der Straße” sind nur zwei von zahllosen – allerdings gemeinhin durchaus Jahrzehnte zurückliegenden – Beispielen für herausragende Kinder- und Jugendproduktion aus Tschechien, die auch hierzulande Kino- bzw. TV-Klassiker wurden. “Ab ans Meer”, das Spielfilmdebüt von Jiří Mádl, schickt sich an, in diese großen Fußstapfen zu treten. Erzählt wird die Geschichte des elfjährigen Thomas und von seinem Film: nachdem der Junge eine Kamera geschenkt bekommen hat, beschließt er ein großer Regisseur zu werden und zeigt so die guten und schlechten Facetten seines Alltags.

ab_ans_meerThomas ist ein Einzelkind und wächst in behüteten Familienverhältnissen auf. Zu seinem elften Geburtstag bekam er offenbar eine Kamera geschenkt und hat wohl direkt beschlossen fortan ein zweiter Miloš Forman zu werden. Er will einen Film zu seinem Leben drehen – nimmt sich selbst, Kinder aus seiner Umgebung, vor allem seinen besten Kumpel Harris, seine Eltern, seine Oma sowie das gehasste Fußballtraining auf. Auch an seiner Schwärmerei für Mitschülerin Stana lässt er potentielle Zuschauer teilhaben. Irgendwann merkt er, dass der eigene Vater ihn belügt – dieser versucht nämlich nachdrücklich zu verbergen, dass er mindestens zweimal die Woche für einige Stunden von seinem Homeoffice-Arbeitsplatz verschwindet. Zuvörderst aus der Sorge Papa könnte eine Geliebte haben, die Ehe seiner Eltern also auf der Kippe stehen, beschließt Thomas – die Mutter soll davon zumindest bis auf Weiteres nichts mitbekommen – der Sache auf den Grund zu gehen, die Wahrheit herauszufinden. Natürlich wird die alsbald folgende Verfolgungsjagd digital festgehalten…

“Ab ans Meer” heißt das Erstlingswerk des 29jährigen Schauspielers Jiří Mádl, für das dieser auch das Drehbuch schrieb. Mit der Handkamera gedreht und geschnitten, sieht der Streifen tatsächlich so aus, als hätten die Elfjährigen selbst gefilmt, dann vor dem Computer gesessen und mit großem Spaß in Homemovie-Manier das Ganze Take für Take zusammengebastelt. Dank dem absolut authentischen Spiel der beiden Jungen – Petr Šim als Thomas und Jan Maršál als Harris . verliert der Zuschauer nie die Perspektive, sieht alles mit deren Augen. Und das ist beileibe nicht nur eine heile Welt, sondern auch mitunter die Sorge um die Zukunft, Geschichten um eigene Versagensängste und allen Arten von Ungerechtigkeiten – sowohl im Kleinen wie Jungenstreiche in der Umkleidekabine als auch im Großen. Es geht hier thematisch nämlich bis hin zu häuslicher Gewalt. Selten wurden Eltern so entwaffnend konsequent aus der Sicht von Heranwachsenden gezeigt. Mit all ihren Stärken und Schwächen, die sich eben gerade dann offenbaren, wenn Kinder anfangen, Dinge stärker zu hinterfragen.



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