„Die Schriftstellerin, ihr Film und ein glücklicher Zufall“ ist eine weitere Leinwandproduktion des südkoreanischen Regisseurs Hong Sang-soo (u.a. “Right Now, Wrong Then”), der erfolgreich auf einem internationalen Kinofestival lief. In der fast ausschließlich schwarz-weiß gedrehten Geschichte hat die Hauptfigur mit einer Sinneskrise zu kämpfen.
Junhee (Lee Hyeyoung) ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, jeder scheint sie auf der Straße zu erkennen. An einem fast schon frühlingsmilden Wintertag macht sie einen Ausflug in einen Seouler Vorort. Dort wähnt sie ihre ehemalige Kommilitonin und Autorenkollegin Sewon, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Diese hat allerdings ihre eigene Schriftstellerkarriere längst an den Nagel gehängt und unterhält einen Buchladen. Bei ihrer weiteren Station trifft Junhee zufällig auf einen Regisseur, der sich offenbar mal angedient hatte eines ihrer Bücher verfilmen zu dürfen, dann aber einen Rückzieher gemacht hat. Immerhin: durch ihn und seine Frau lernt die Protagonistin bei einem gemeinsamen Spaziergang nun die junge Schauspielerin Kilsoo (Kim Minhee) kennen, die ihrerseits schon lange keinen Film mehr gedreht hat. Ein bekanntes Gefühl für die Autorin, denn sie steckt in einer Schreibblockade. Ihre Rettung könnte ein Kurzfilmprojekt mit Kilsoo sein.
Für seinen Film „Die Schriftstellerin, ihr Film und ein glücklicher Zufall“ hat Regisseur Hong Sang-soo unter anderem auch das Drehbuch geschrieben. Während der diesjährigen Berlinale wurde der Südkoreaner für diese wunderbar unaufgeregt erzählte, zum Eintauchen in die Kinoleinwand taugliche Geschichte mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Überhaupt, Hong Sang-soo ist ein gern gesehener Gast bei internationalen Filmfestspielen, sehr oft heimst er Preise mit seinen intellektuellen Filmen über von Ängsten, Selbstmitleid oder Misserfolgen geprägten Menschen ein.
Sein neuer fast ausschließlich in schwarz-weiß gedrehter Film, der im Original mit Untertiteln ins Kino kommt, ist ein sehr leiser, aber keinesfalls langweiliger Film. Das meiste was der Zuschauer zu sehen bekommt, passiert in der Filmhandlung binnen weniger Stunden – nach dem Motto: wie der Zufall so will. Im Zentrum: ein Tag voller Begegnungen, Offenbarungen, klarer Worte oder Kanten, Ängste, Neid, Freundschaft und Ehrdarbietung. Sowie einem kleinen Exkurs in Sachen Gebärdensprache. Das Alles wird mit einer großen Leichtigkeit und einer noch größeren Portion Authentizität sowie einem wohldosierten Klecks Doppelbödigkeit erzählt, ehe dann das große Finale in einem Kinogebäude wartet. Hong hat seit 1996 mehr als dreißig Filme gedreht – dieser ist besonders sehenswert. Unbedingt auf der großen Leinwand.
