26.02. Zenith
Haben Sie den Mann links im Bild erkannt? Als uns dieser Tage dieses Pressebild aus dem Jahr 1998 in die Hände fiel mussten wir zwei Mal hinblicken – mit seinen Mitmusikern im Paket wurd’s leichter. Element of Crime und damit auch Sven Regener kommen nach einer natürlich restlos ausverkauften Clubtour 2013 endlich wieder nach München und zwar ins Zenith, das mit einem Gastspiel von Stromae erst im Dezember ein absolutes Highlight erlebte und sich nun auf das Gastspiel zum aktuellen Album “Lieblingsfarben und Tiere” freuen darf – einer CD auf der sich der im Übrigen auch als Buchautor entdeckenswerte Regener keine Sekunde versucht EOC neu zu erfinden – und das ist bei Musikern wie diesen sogar ausnahmsweise eine mehr als schöne Nachricht. Des weiteren gilt es ein Lob auszusprechen allein schon für die Betitelung von Songs mit „Schade, dass ich das nicht war“, „Rette mich (vor mir selber)“ oder „Wenn der Wolf schläft, müssen alle Schafe ruhen“, die unter anderem davon handeln, dass man beim Tanken auch das Zahlen vergessen und Finger auch an der Jacke abwischen kann, wo die Wahrheit den Sinn alte Socke nennt und Erdbeermarmeladenbrote die Schulbücher versauen und was das mit der Liebe zu tun hat, wo Schwachstromsignale Übertragungsprobleme haben und Datensätze dorthin kommen, wo die Sonne niemals scheint…
07.03. STROM (Lindwurmstr. 88)
Was hat die Gitarre, übrigens eine Fender Jeff Beck, mit der Redaktion Ihrer kulturkueche gemeinsam? Beide warten sehnsüchtig auf den Gig von Phillip Boa & the Voodooclub, wo dieses Instrument dem Vernehmen nach in den Händen des Masterminds eine Hauptrolle spielen wird. Seit Mitte der 1980er ist der Dortmunder nun schon einer der beständigsten und doch immer wieder erfrischendsten Indie-Acts überhaupt, zu seinem größten kommerziellen Erfolg gibt es im Netz seit geraumer Zeit ein schönes Popsplits und auch wenn es eben eine Hassliebe ist und der Gig in München ohnedies zum aktuellen Album “Bleach House” (Cargo Records) ausgerufen ist, wird es sicherlich den einen oder anderen “Oldie” zu erleben geben – hoffnungsvollerweise auch diesen hier.
08.03. Milla (Holzstraße 28)
Bis Mitte letzten Jahres war Benny noch als Herr von Grau unterwegs. Im Vorab-Video zum Album “Geräusche” (Kreismusik) metzelt Lemur wie er sein Schaffen nun nennt im doppelbödigen Track „Befehlskette“ einen ganzen Vorgarten nieder und juckelt im alten NVA-Panzer durch die Gegend. Dem Vernehmen nach gibt’s hier Lieder über Lebensabschnitte, den hinterfotzigen besten Freund, stotternde Superhelden, Hart-Sein, den absoluten Hassmenschen, Lebensnotwendiges, die stressenden inneren Kinder, viel zu lange Afterhours, das Verprügeln von Obst und Gemüse, akustische Abenteuer und jede Menge ungeschönte Selbstreflektion zu erleben. Denn das Leben ist bekanntermaßen nicht immer nur Rumgeblödel und Ironie.
11.03. – Lustspielhaus (Occamstrasse 8)
Ulan & Bator präsentieren ihr topaktuelles Programm Irreparabeln. Ob die Träger des Deutschen Kleinkunstpreises ihren Abend trotzdem wieder im traditionellen Grau starten und dann kurioserweise und auch für sich selbst nicht ganz nachvollziehbar in ihren Hosentaschen Mützen finden? Bekanntermaßen steht bei den beiden Herren die Kunst der Improvisationen im Vordergrund, so dass die angeblich oft gestellte Frage sind sie Insassen einer Anstalt oder erleuchtete Clowns eindeutig mit letzterer Option beantwortet werden dürfte. Ob alle Zuschauer merken, wenn nebenbei auch mal Schiller, Sophokles und Domian aufblitzen? Man wird sehen, was Sebastian Rüger und Frank Smilgies, trommelnde Schauspieler, die sich der Legende nach beim Studium an der Folkwang Hochschule Essen kennenlernten, für das Münchner Publikum so alles aus dem Hut – pardon aus den Mützen zaubern. Versprochen wird u.a. die Pina Bausch-Hommage zweier Fabrik-Arbeiter, eine dystopische Suite über eine Familie, die die Namen ihrer Kinder gegen Markennamen austauscht, das Lemmingkai-Lied, welches beim Lemming-Ritual gesungen wird, bei dem man etwas Gutes tut für die Allgemeinheit indem man Platz schafft und einen Kurs in Business-Yoga, das einem hilft die göttliche Arbeitskraft in Dir zu finden und zu optimieren…
Im Grunde können Sie gleich ein paar Stunden sitzen bleiben, denn auch unser nächster Tipp entführt Sie ins 😉
13.03. – Lustspielhaus (Occamstrasse 8)
Nach mehr als 30 Jahren heißt es nun “Zum letzten Mal auf Tournee – la dernière tournée” – Bratsch nimmt Abschied. In Angedenk der wunderbaren Abende mit Programmen wie “La Vie, La Mort, tout ça…” (“das Leben, der Tod, all das…”) – von Jahr zu Jahr schienen sie noch tiefer, noch radikaler, noch wilder, noch verrückter, noch gewagter zu werden, mag man gar nicht daran denken, dass nun wirklich Schluss sein soll. Denn keine Combo dieses Kontinents vermag mit ihren “bloßen” Stimmen und dem teils recht unorthodoxen Einsatz von Gitarre, Kontrabass, Klarinette, Geige und Akkordeon derart vielschichtige Stimmungen zu zaubern, die einen innerhalb weniger Minuten Weltschmerz spüren und dann wieder ekstatisch tanzen lassen. Bratsch selbst bezeichnen ihre Spielereien mit der Musik des Balkans, mit Jazzmaterial, Blueselementen, rumänischen Tänzen, armenischen und neapolitanischen Lieder und Klezmerklängen übrigens als “geträumte Musik” oder “Folklore imaginaire”.
14.03. Künstlerhaus (Lenbachplatz 8)
Das Hartmann-Oganesjan-Duo präsentiert Views from Ararat: Ein Abend voll armenischer und türkischer Kompositionen mit Piano und Violine. Künstlerin Margarita Oganesjan zum Konzept des Abends: “Als Armenierin bin ich von Geburt an vertraut mit den eigenartigen und schmerzlichen Aspekten unserer unbewältigten Vergangenheit – umso größer ist ja unser Stolz auf die berühmten Künstler, die unser Volk hervorgebracht hat. Komponisten wie Babadschanian, Komitas, Chatschaturian und Mansurian werden in meiner Heimat verehrt wie Helden und ihre Musik ist lebendiger Bestandteil unseres kulturellen Lebens. Aber gerade als Musikerin war für mich die Entdeckung der Musik Ahmed Adnan Sayguns ein zutiefst bewegender Prozess, der mir erlaubte, die Kultur meiner Landesnachbarn in einem anderen Licht zu sehen.”
20.03. Hubertussaal (Schloss Nymphenburg)
UPDATE zu “Medea” im Schloss Nymphenburg, eine Theaterinszenierung die hier nachfolgend als Programmtipp stand. Am 20.03. konnten wir die Aufführung, die uns im Vorfeld vielversprechend erschien, live erleben und müssen leider sagen: wir haben die vergangenen Jahre bundesweit kaum eine uninspiriertere Schauspiel”leistung” ertragen müssen als hier! Von einem Besuch ist dringend abzuraten. Nicht nur, dass nicht ansatzweise versucht wurde, den an sich packenden Stoff ein klein wenig in die Gegenwart zu transformieren, wird hier als einziger “Effekt” mit einer Kakophonie der Dienerinnen herumgeplärrt wenn Medea nicht in ihren Monologen steckt, die einen aufgrund der SChwäche der Inszenierung weitgehend kalt lassen. Besonders schlimm die Szenen wo die Hauptfigur mit dem absolut talentfreien Jason-Darsteller spricht. Aber auch bei den Dialogen mit dem einzigen anderen erwachsenen männlichen “Schauspieler”, der nominell drei verschiedene Rollen begleitet, dabei aber einzig durch den Inhalt seines Sprechtextes Unterschiede erkennen lässt, ist kaum etwas das mitreisst. Insofern ist der ursprüngliche Programmtipp hier explizit durchgestrichen. Allen die sich wegen uns hierzu Karten gekauft haben: es tut uns leid!Die Medea des griechischen Dichters Euripides gehört zu den Dramen der Weltliteratur, die aus dem Repertoire der Bühnen der Welt nicht wegzudenken sind. Zahlreiche Rezeptionen legen bis in die jüngste Vergangenheit Zeugnis für die Faszination dieser Figur der antiken Tragödie ab. Doch wer ist diese Frau? Ist sie das Opfer eines nur am Nutzen orientierten Egomanen oder die unbedingt und kompromisslos Liebende oder die unangepasste, eigenwillige Fremde? Oder ist sie nicht vielleicht eine Frau, die für eine Gesellschaft kämpft, in der Versprechen gehalten werden, in der die Menschen einander vertrauen können und auch in der Not zueinander stehen? creActors Ensemble Persona lädt ein, auf Spurensuche nach den Motiven dieser faszinierenden Figur zu gehen. In Einführungen vor den Vorstellungen vermittelt der renommierte Gräzist und Übersetzer Kurt Roeske Hintergrundwissen zu dem Mythos der Medea.
27.03. Volkstheater (Brienner Straße 50)
Von Ritterehre, höfischem Benehmen und edler Minne sei wenig zu finden in Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Neubearbeitung der Siegfried-Sage. Dabei halte sich das Autorenteam durchaus an die historische Vorlage, die ja auch nicht gerade zimperlich mit Verrat, Vergewaltigung und Mord umgeht. Doch so schonungslos wie hier seien die Protagonisten des größten deutschen Heldenepos noch nie ihrer Vorbildfunktion entkleidet worden: Getrieben von Machtgier und Geltungssucht, morden, vögeln und fressen sie sich ihrem eigenen Untergang entgegen. Die Lichtgestalt Siegfried ist ein tumber – aber sehr viriler – Muskelprotz, sein Gegenstück Brunhild eine blutrünstige Barbarin. Am Hof von Worms können die Burgunder zwar nicht mit so viel roher Kraft aufwarten, dafür wird hier mit Leidenschaft gelauscht, geklatscht und intrigiert – wehe dem, der sich dem anderen anvertraut. Von jeder Patina befreit, zeigt Zaimoglu / Senkels Neufassung des Mythos eine von Rücksichtslosigkeit und Brutalität gezeichnete Gesellschaft, in der Bauern bestenfalls als Drachenfutter taugen, jeder König sein will, aber sich ums Regieren keiner schert, und in der Loyalität nur so lange zählt, wie sie zum eigenen Vorteil gereicht.
28.03. Olympiahalle (Spiridon-Louis-Ring 21)
Sting und Paul Simon, zwei der einflussreichsten und erfolgreichsten Interpreten der modernen Musik, präsentieren ihr gefeiertes “On Stage Together”-Programm – das Konzept entstand bei einem Benefizkonzert der Robin Hood Foundation 2013, wo die beiden zum ersten Mal gemeinsam auftraten. Die für ihre musikalische Vielseitigkeit und Ausflüge in die unterschiedlichsten Genres bekannten Künstler haben die Grenzen der populären Musik erweitert und Generationen von Fans für sich begeistert. Die Konzerte vereinen zwei ikonische Singer/Songwriter, deren Stimmen und Bands miteinander verschmelzen, während sie ihre größten Erfolge einzeln und gemeinsam performen. Zwei legendäre Talente vereinen sich zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das mehr als 30 Songs umfassende Programm beinhaltet Favoriten wie “Boy In The Bubble”, “Fields Of Gold”, “Driven To Tears”, “Mother & Child Reunion”, “Desert Rose”, “Every Breath You Take”, “The Boxer” und “Diamonds On The Soles Of Her Shoes”.
