Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Kulturtipps April 2014 – u.a. mit Nico Semsrott und Rainer von Vielen

Issakadze04.04. – Liana Issakadze – Kaisersaal der Residenz: Bereits als Dreijährige war sie musikalisch aktiv. Das Klavierspiel erlernte sie eigenständig und begann zu komponieren an. Geigerin wurde Liana Issakadze jedoch durch Zufall. Am Tage der Aufnahmeprüfung – sie war gerade sieben geworden – erkrankte sie. Die nächste Gelegenheit bot sich erst eine Woche später, jedoch für das Fach Violine. Im Alter von 12 Jahren wird Issakadze dann der erste Preis beim Pankaukasischen-Wettbewerb der Geiger unter Erwachsenen verliehen. Mit 14 erhält sie eine Sonderzulassung zum Allunionswettbewerb der damaligen UdSSR – laut offiziellen Reglements waren ausschließlich Geiger ab dem vollendeten 17. Lebensjahr teilnahmeberechtigt – und gewinnt den ehrenvollen II. Preis. Seither konzertiert sie erfolgreich in allen Musikmetropolen Europas, Nord- und Südamerikas und Asiens, mit Orchestern wie Wiener Philharmoniker, Gewandhaus-Orchester Leipzig, Royal Philharmonic Orchestra, London Philharmonic Orchestra, Tonhalle-Orchester Zürich, Konzertgebouw-Orchester Amsterdam, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, L’Orchestre de Paris, Filarmonica del Teatro della Scala, Tokyo Symphony Orchestra sowie Moskauer, Münchner, Dresdner, Prager, St. Petersburger und Kölner Philharmoniker unter der Leitung von den Dirigenten wie Kurt Mazur, Yehudi Menuhin, Valeri Gergiev, Mariss Jansons, David Oistrach, Herbert Blomstedt, Jukka-Pekka Saraste, Paavo Berglund, Rudolf Kempe, Michail Jurowski, Esa-Pekka Salonen, Ewgeni Swetlanov und Neeme Järvi.

Das Programm am Freitag, 4. April, um 19.30 Uhr im Herkulessaal in München ist wie folgt: Beethoven: Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68, Mozart: Violinkonzert Nr. 5 A-Dur, Liana Issakadze – Violine, Saint-Saens: Introduction e Rondo Capricioso op. 28.

dt_tk_olymp05.04. Olympiahalle – Deutsch-Türkische Kulturolympiade: ein bilingualer, bundesweiter Sprachwettbewerb, ein Brauchtumsfest und ein Dialogforum zum gegenseitigen Kennenlernen und Kulturaustausch für Kinder und Jugendliche von 12 bis 19 Jahren, die ihren Wohnort in Deutschland haben. Die „Deutsch-Türkische Kulturolympiade” entstand aus dem Bedürfnis, ein Zeichen der Völkerverständigung zu setzen und die deutsche und türkische Bevölkerung auf einer Plattform für interkulturellen Austausch einander näher zu bringen. 2011 wuchs der Kulturwettbewerb in Deutschland zu einem deutsch-türkischen Sprachfest heran. Die Anzahl der Mitwirkenden und Zuschauer ist seither mit jedem Jahr gestiegen. Nahmen 2010 noch 3.500 Gäste an der Abschlussveranstaltung teil, kamen 2012 bereits über 8.000 und 2013 über 8.500 Zuschauer in der Dortmunder Westfalenhalle zusammen.

ennio_morriconeACHTIUNG 07.04. Olympiahalle WIRD VERLEGT AUF 24.06.- Ennio Morricone: Er gilt als einer der grössten Komponisten der Filmgeschichte und hat Titelmelodien für Kultfilme wie «Spiel mir das Lied vom Tod», «Für eine paar Dollar mehr», «Cinema Paradiso» «Zwei glorreiche Halunken», «Die Unbestechlichen» oder «Kill Bill» oder jüngst «Django Unchained» komponiert. Nun kommt der 85-jährige Komponist und Dirigent Ennio Morricone nach München. Persönlich dirigiert der Oscar-Preisträger auf seiner «50 Years of Music»-Tour ein 160-köpfiges Orchester mit Chor und ist am 07.04. in der Olympiahalle zu erleben. Morricone gibt einen Querschnitt durch seine 50-jährige Karriere. Er ist der einzige Komponist, der für seine großartigen und vielfältigen Beiträge zur Kunst der Filmmusik, einen Oskar für sein Lebenswerk erhielt. Außerdem war er für fünf weitere Oskars nominiert und erhielt während seiner Kariere zwei Grammy Awards, zwei Golden Globes, fünf BAFTAs, sieben David di Donatello Awards, acht Nastro d’Argento Awards sowie den Polar Music Prize. 2009 verlieh ihm der französische Präsident den Verdienstorden Legion d’honneur. Morricones außergewöhnliche Musik trägt Einflüsse aus Klassik, Jazz, Pop, Rock, elektronischer Musik, avant-garde sowie heimischer italienischer Musik. Er bereicherte die filmische Atmosphäre mit seiner raffinierten Art der Anordnung und Besetzung. Die Kompositionen für Sergio Leone’s Western-Filme wurden durch diverse Mittel wie Maultrommeln, verstimmte Mundharmonikas, tanzende Piccoloflöten, bombastische Kirchenorgeln, unheimliches Pfeifen, donnernde Trompeten und geisterhaften Gesangschören kreiert. Geschätzt von legendären Künstlern wie Quincy Jones und Regisseur Martin Scorsese, ist Ennio Morricon eine gegenwärtige Ikone unserer Zeit.

nico_semsrott07. und 08.04. Lach & Schiess – Nico Semsrott: Haben Sie schon mal von Unglückskeksen gehört? Falls ja, werden Sie nun ohnedies nicht weiterlesen müssen sondern eh längst auf dem Weg zum nächsten Kartenvorverkaufsschalter sein. Und falls nicht sollten Sie sich ebenfalls sputen! Denn mit mehr als hundert Poetry-Slam-Siegen auf Bühnen in Deutschland, der Schweiz, Österreich sowie Liechtenstein und zahlreichen TV-Auftritten ist Nico Semsrott einer der erfolgreichsten deutschen Poetry Slammer der vergangenen Jahre und bringt mit seiner einzigartigen Performance ganze Säle zum Toben. Entsprechend gefragt sind die Tickets seiner Shows! Die von ihm entwickelte moderne Kabarettform der Standup-Tragedy ist in der deutschsprachigen Kleinkunstwelt tatsächlich einzigartig. Wir versichern Ihnen: bei diesem Künstler, der neben einem schwarzen Kapuzenpullover und schlechter Laune bestenfalls eine “putzige” Powerpoint-Präsentation braucht um intelligent zu unterhalten, bleibt kein Auge trocken.

10.04. Urteile – Uraufführung am Residenztheater Seit knapp einem Jahr wird am Münchner OLG der NSU-Prozess verhandelt. Allein in dieser Stadt wurden mit Theodoros Boulgarides und Habil Kılıç zwei Menschen vor Jahren brutal ermordet. Die Regisseurin Christine Umpfenbach, bekannt für ihre dokumentarischen Theaterprojekte u. a. “Gleis 11”, hat mit Journalisten, Rechtsanwälten und Politikern gesprochen, vor allem aber mit den Verwandten, Freunden und den Arbeitskollegen der Opfer. Sie sucht nach Leerstellen und Strukturen, die das Versagen der Sicherheitsbehörden und Medien möglich gemacht haben. Die Autorin Azar Mortazavi schreibt in poetischen Skizzen über die Ver- und Beurteilung im persönlichen Erleben einer Postmigrantin, über die alltäglichen kleinen “Morde” in Schule, Studium und Arbeit, die nach der Aufdeckung der NSU Verbrechen unerträglich geworden sind.

eläkeläiset12.04. Eläkeläiset – Backstage: In einer der angenehmsten Konzertlocations Münchens treten Eläkeläiset einmal mehr den Beweis an, dass wirklich alle Rock-, Pop- oder sonstigen Song-Klassiker auch als Humppa-Versionen gespielt werden können und dann eigentlich erst so richtig gut klingen. In wechselnden Besetzungen (4 – 6 Musiker) begeistert die Formation seit Jahren Menschen auf der ganzen Welt. Und das mit einer Art finnischer Polka, mal schneller, mal langsamer und immer eingeleitet von einem knappen, knallharten Schlagzeug-Intro. Selbstredend werden die Cover-Versionen – von Suzanne Vega über Kraftwerk, Alice Cooper, Velvet Underground und Queen bis hin etwa zur unvermeidlichen Madonna – in finnischer Sprache vorgetragen, was wie die PR-Verantwortlichen richtig anmerken, den Vorteil hat, “dass das beliebte Spiel bei den Live-Shows ‘Wie heißt denn dieser verdammte Song im Original?’ noch etwas komplizierter wird”. Eine der letzten Veröffentlichung der wahnwitzigen Band hieß übrigens “Humppakonsertto” und zählt für uns zu einer der besten Livescheiben der letzten zehn Jahre! Auch nicht schlecht ist das 2012er Album “Humppasheikkailu” auf dem unter anderem eine tolle Version von “Fools Garden” einzigem Hit, also dem Ohrwurm “Lemon Tree” versteckt ist.

15.04. Ton Steine Scherben – Freiheiz: Nicht nur “Keine Macht für Niemand”, “Halt dich an deiner Liebe fest” oder “Macht kaputt was Euch kaputt macht” sind zeitlose gewichtige Stücke deutschsprachiger Musikgeschichte. Und auch wenn der sensationelle Interpret und gemeinhin als Kopf der hinter diesen Hits stehenden Combo leider seit jahren tot ist – die Lieder leben weiter. Erst recht in diesem Jahr – denn: Im April werden Ton Steine Scherben das erste Mal seit 1985 in der verbliebenen Originalbesetzung mit ihrem Komponisten und Gitarristen R.P.S. Lanrue Konzerte spielen und unter ihrem Originalnamen an ausgewählten Orten auftreten. Zahlreiche Coverbands, Theater- und Bühnenprojekte haben in den vergangenen Jahren bei Kritikern und Publikum Diskussionen darüber ausgelöst, wer dem Original am nächsten kommt. Diese Diskussionen haben ein Ende: Das Original ist zurück.

19.04. Irie Revoltes – Muffathalle: Die Jungs kommen aus Heidelberg und mischen vortrefflich Einflüsse aus Reggae, Dancehall, Hip Hop, Ska und Punk zu einem ebenso fulminanten wie engagierten Ganzen, passend zum Namen der  neunköpfigen Truppe. Denn der leitet sich zu gleichen Teilen ab aus der jamaikanischen Kreolsprache Patois und dem Französischen und heißt übersetzt in etwa glücklich, fröhlich oder freie Aufständische, was in Anbetracht der meist sozialkritischen französisch- und deutschsprachigen Lyrics wirklich nicht zuviel verspricht. Und musikalisch geht hier wie nicht nur bereits vor Jahren das fulminante Album “Voyage” eindrucksvoll bewies auch stets die Post ab! Harte Gitarrenriffs und saftigen Synthie-Sounds passen erstaunlich gut selbst zu den immens kraftvollen Rapparts. Falls Sie die Band gerade nicht einordnen können: einfach mal “Zeit ist Geld“, die wohl tanzbarste Antwort auf die weltweite Finanzkrise, lauschen, dann haben Sie den Sound sicher wieder präsent…

21.04. Wolfgang Ambros – Prinzregententheater: Es ist eine Schatztruhe, die sich knarrend öffnet und die nach und nach ihre Schätze preisgibt, wenn man diesen Wolfgang Ambros, “nur” mit seiner Stimme, einer Gitarre und dem kongenialen Günter Dzikowski an seiner Seite auf eine Bühne setzt. Dzikowski, langjähriger Musiker der No. 1 vom Wienerwald, kennt den umfassenden Ambros-Songkatalog (fast) genauso gut wie sein “Chef”, und dennoch ist es auch für die beiden Ausführenden eine anregende Entdeckungsreise viele dieser Lieder im intimen Duo – Setting neu und wieder zu entdecken.

rainer_von_vielen25. – 27.04. MakeOrBreak-Festival – Feierwerk: Mit diesem Festival startet alljährlich die Münchner Festival-Saison. Drei Tage lang gibt es auf dem Feierwerk-Gelände Konzerte und Parties zu freiem Eintritt!  Das Highlight in diesem Jahr ist eindeutig “Rainer von Vielen”, deren Musik sich durch Energie und Glaubwürdigkeit auszeichnet. Die vier Musiker aus Kempten, die 2005 den österreichischen Protestsongcontest gewannen sind etwa auch bei G8-Protesten oder auf Attac-CD-Samplern vertreten. Gleichwohl sieht Rainer Hartmann seine Combo nicht als Protest- oder politische Band. „Von Attack kenne ich ‚Global denken, lokal handeln’. Wir als Band können Menschen zusammenbringen, die Gleiches empfinden, und unsere Meinung mit ihnen teilen“, sagt der Mann, der eigentlich Drehbuch studiert hat. Und über den Begriff „Heimat“: „Das ist der Platz, wo die Leute sind, die wir gern haben. Heimat hat sehr viel mit Liebe zu tun, aber wir verstehen uns schon sehr als Weltbürger und nicht als Patrioten.“ Entsprechend beziehe sich Heimat beim Musikprojekt Rainer von Vielen sehr stark auf die Musik, auf die Instrumentalisierung, die die Künstler für die letzte doppelbödig betitelte Platte „Milch und Honig“ verwendet haben: „Das sind die Klänge, die man aus unserer Gegend kennt: Akkordeon, was ich als Kind gelernt habe, Hackbretter, Bläser, Maultrommel …“ Rainers wirklich ganz eigener, von elektronischen Beats und Melodien dominierter Stil, ergänzt mit fulminantem Oberton-Gesang, ist mit das Originärste, was die letzten Jahre an deutschsprachigen Produktionen das Licht der Tonträgerwelt erblickte. In der Singleauskopplung „Kein Zurück“ werden die Versuche diverser Musikkritiker aufgezählt, die Kunst der Allgäuer in irgendeine Schublade zu stecken.

Die Band selbst nennt es übrigens Bastardpop. Der Begriff stammt ursprünglich aus der DJSzene, wo unterschiedlichste Stile, die vermeintlich überhaupt nicht zueinander passen, miteinander kombiniert werden. „Gleiches machen wir auch mit unserer Musik. Wir kombinieren viele verschiedene Stilrichtungen, nehmen das heraus, was uns gefällt, und versuchen die Dinge zusammenzubringen, die so noch nicht zusammen gehört wurden.“ Seine Handynummer, wie auf der Hülle eines der Vorgängeralben, gibt der Kopf der Band heutzutage nicht mehr öffentlich preis. „Die Idee damals war, dass wie eben einer von vielen auch Rainer von Vielen für viele erreichbar sein sollte. Und es gab tatsächlich einige verdutzte Anrufer, die nicht damit gerechnet hatten, mich am Apparat zu haben. Manchmal entwickelten sich auch richtig schöne Gespräche.“

peter_gabriel30.04. Peter Gabriel – Olympiahalle: Mit seiner legendären “Back to Front” Tour, mit der Peter Gabriel das 25-jährige Jubiläum seines bahnbrechenden “So” Albums feierte, verkaufte der Brite dieses Jahr innerhalb kürzester Zeit seine Deutschland-Konzerte restlos aus, nun kommt er wegen der enormen Nachfrage und des sensationellen Erfolges für fünf Zusatzkonzerte im Frühjahr erneut nach Deutschland: Konzerte in Frankfurt (29.04., Festhalle), München (30.04., Olympiahalle), Köln (02.05., LanxessArena), Hannover (03.05., TUI Arena) und noch einmal Berlin (25.05., Waldbühne) stehen auf dem Tourneeplan.

Doch auch abseits der Tournee-Pfade ist Peter Gabriel sehr aktiv und veröffentlichte vor rund einem halben Jahr das Album “And I’ll Scratch Yours” (Realworld), das seit langem von Fans sehnsüchtig erwartete Komplementäralbum zu seinem 2010 erschienenen und von der Kritik bejubelten Meisterwerk “Scratch My Back”. Auf diesem hatte Gabriel in ureigener Weise Stücke von prominenten Songwriter-Kollegen und Bands wie David Bowie, Paul Simon, Bon Iver, Talking Heads, Lou Reed, Neil Young, Randy Newman, Radiohead und Arcade Fire interpretiert. Nun haben ihm fast alle dieser Künstler die Gegenehre erwiesen, indem sie ihre Versionen von emblematischen Gabriel-Songs aufnahmen. Einige – wie Lou Reed (“Solsbury Hill”) und Brian Eno (“Mother Of Violence”) – ließen sich auf das Risiko ein, das Originalmaterial radikal neu zu interpretieren und schafften es so, dass man die Ursprungsversionen in ihren Bearbeitungen beinahe nicht wiedererkennt. Andere – wie Arcade Fire (“Games Without Frontiers”), Elbow (“Mercy Street”) oder Regina Spektor (“Blood Of Eden”) – blieben mit ihren Interpretationen sehr viel näher an den Originalen dran. “And I’ll Scratch Yours” ist sowohl als einfache CD wie auch zusammen mit “Scratch My Back” als Doppel-CD in einem Digi-Pack erhältlich.



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