Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Familienfieber

familienfieberDie fast 20jährige Ehe von Maja (Kathrin Waligura) und Uwe Roth (Peter Trabner) steckt in einer tiefen Krise. Der Alltag ist trostlos, Uwe hat ständig schlechte Laune, weil er sich als Plakatierer mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen muss. Die beiden haben eine Tochter, Alina, die zusammen mit ihrem Freund beschließt, dass sich ihre Eltern  endlich gegenseitig kennenlernen müssen. So fährt Familie Roth ins brandenburgische Umland – völlig unvorbereitet darauf, was sie dort erwarten wird. Uwe ist allein schon überrascht vor einer riesigen Villa zu stehen, denn dass die Eltern des Freundes seiner Tochter regelrechte Bonzen sein sollen ahnte er nicht. Doch es ist noch die harmlosere Erkenntnis. Denn Maja weiß nun, dass sie Gastgeber Nico (Jörg Witte), dem Vater des Freundes ihrer Tochter, gar nicht mehr kennenlernen muss. Er ist ihr heimlicher Liebhaber. Dessen Frau Birgit (Deborah Kaufmann) widerum ahnt zwar nicht, dass die Beiden etwas miteinander haben, aber wohl generell, dass ihr Gatte sie hintrgeht – sie versucht ihre Verbitterung über ihren tristen Ehealltag augenscheinlich schon länger hinter einer extrem kühlen Fassade zu verbergen. Während das junge Paar verliebt, aber auch mit eigenen Sorgen im Kopf in einem nahegelegenen Wald lange Spaziergänge macht, versuchen die beiden älteren Paare vergeblich, sich gegenseitig etwas vorspielend das vereinbarte Wochenende unbeschadet zu überstehen…


Regisseur Nico Sommer macht aus diesem auf den ersten Blick extrem konstruiert wirkenden Plott einen erstaunlich leichten, ja durchaus bemerkenswert humorvollen, keinesfalls platten Beziehungsfilm, der durch improvisationsfreudige Schauspieler von Anfang bis Ende bravourös getragen wird. Denn: dem Vernehmen nach gab es keinerlei vorgeschriebenen Dialoge, nur skizzierte Inhalte möglicher Szenen. Kein einziges Wort klingt falsch, keine Einstellung gestelzt. Der zweite Non-Budget-Film des 31jährigen Berliners – sein preisgekröntes Debüt “Silvi” feierte seine Uraufführung auf der 63. Berlinale 2013 und lief in mehr als 15 Ländern auf internationalen Festivals – ist eine herrliche Studie über stagnierte Ehen, über Versuche, Auswege zu finden, über Ehrlichkeit und über Voraussetzungen fürs Glücklichsein.



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