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Leseraktion – 27.11.2008

Der fixeste Trüffel gedeiht in Fürth

An einem kalten Novemberabend trafen wir dem Gewinner des zweiten Kulturküchetrüffels, den Komiker und Sänger Michael A. Tomis. Nachdem er im Wahlsommer sage und schreibe 14 bundesweit bereits bekanntere Kandidaten wie Denis Fischer, Jacob Matschenz, Kiemsa oder Bonaparte deutlich hinter sich gelassen hatte, lieferten er und seine Fans sich schlies-slich ein Kopf an Kopf-Rennen mit der Sängerin und Schauspielerin Elinor Lüdde ("Meer is nich").

Wie der in letzter Zeit mit fast schon anrüchig vielen Preisen überhäufte Matthias Egersdörfer, dem er schon öfters bei der Nürnberg Comedy Lounge im Loft des Gostner Hoftheaters unter die Arme griff, ist Michael A. Tomis von Seitenhieben gegen Herrn "Sissi" Söder abgesehen zwar weniger in der politischen Ecke anzusiedeln, aber ausgesprochen gute und kurzweilige Unterhaltung bietet er dennoch: etwa wenn er Ex-Freundinnen die Pest an den Hals wünscht oder Theo Lingen, Heinz Erhardt und Inge Meysel als tattrige Kommissare auferstehen lässt. Aber auch im restlichen Teil seines noch aktuellen Soloprogramms "Gestatten ich bin`s" bietet Michael A. Tomis "charmant-böse Comedy" und fragt sich unter anderem, wieso die meisten Menschen aus so wenig Mücken so unglaublich viele Elefanten machen. Kurzum: Mit Anfang 30 sei es für ihn an der Zeit "Bilanz zu ziehen und einigen seiner Mitmenschen die Quittung zu erteilen". Dass er dabei nicht nur heitere Reden schwingt, sondern sogar auch singt, macht das Ganze richtig entdeckenswert. Apropos "nicht nur" - nicht nur unsere Redaktion und offenkundig unsere Leser, sondern vor allem die Zuschauer der Roten Bühne Nürnberg, wo er mit deren Leiterin Julia Kempken am jeweils letzten Sonntag eines Monats die spannende Mixed Entertainment Show „Der rote Abend“ präsentiert, und auch Medien wie der Münchner Merkur, die seine gelungene "Mischung aus Schauspielkunst und dem Sinn für Nostalgie und die richtigen Pointen" schon nachdrücklich lobten, werden sich sicher in absehbarer Zeit auf die Schultern klopfen, wenn dieser Herr bundesweit Applausarien erntet.

Blut als Entertainer hat Michael A. Tomis nach eigener Aussage übrigens bereits im Kindergartenalter geleckt, als er bei einem Fest den kleinen singenden Italiener gab und dafür in einem Zeitungsartikel erwähnt wurde. Fortan gab es immer den Drang im Mittelpunkt zu stehen, und obwohl seine Witze - er nennt seine früheren Künste auch "Blödeleien" - bei seinen Eltern und Lehrern nicht immer gut ankamen ließ er sich nicht beirren. Die Belohnung gab's in Form von Zuspruch von Freunden, die ihn so lange bearbeitet haben, bis Tomis vor ein paar Jahren ein Soloprogramm auf die Beine stellte. Nach sehr vielen sehr positiven Reaktionen kam er langsam zum Entschluss, den Traum wahr werden zu lassen und mit 32 Jahren endlich mit etwas Geld zu verdienen, was ihm richtig Spaß macht. Dabei ist die Bühne ja auch kein wirklich so fremdes Terrain für ihn. Als einer von sechs "Brüdern" der A Capella Formation Gebrüder Sing ist er schon seit der Jahrtausendswende auf diversen Brettern unterwegs. Zuletzt an der Seite von Martin Rassau für den "Opernstadl" in der Comödie Fürth. Zudem hat die recht aberwitzige Truppe zwei Mal in Folge den Nachwuchswettbewerb "Wer ko, der därf" am Nürnberger Hauptmarkt gewinnen können - dieses Jahr reichte es erstaunlicherweise nur für Rang zwei.

Gefunden haben sich die instrumentenlosen Jungs bei einem Chorworkshop auf Burg Feuerstein in der Fränkischen Schweiz. Ein wohlbekannter Ort für Tomis, seit seiner Kindheit, erst als Teilnehmer und später als Leiter kirchlicher Jugendarbeit. Ein treuer Gottesdienstgänger ist er trotzdem nicht, er nehme immer mehr Abstand von dieser Institution mit ihrem erhobenen Zeigefinger. Geblieben ist jedoch ein Herz für Sozialarbeit. Obwohl er als, wie seine Lehrerin sich mal ausdrückte, "verwöhntes Miststück von Einzelkind" früher nicht einmal jemanden ein Stück Schokolade abzugeben bereit war. Es habe sich eben geändert, sagt Tomis und lacht.

Aber nicht auf jedem Gebiet. Obwohl "im tiefsten Herzen Nürnberg-Fan", gemeint ist der unseres Erachtens fast allein aufgrund von Manager Baders sportlicher Kurzsichtigkeit in die Zweitklassigkeit gestürzte "Club", ist Tomis seiner Geburtstadt Fürth treu geblieben. Nachdem er mit 4 Jahren seinen Eltern aufs Land folgen musste, kam er mit 22 zurück und dachte seitdem nie wieder daran nochmals wegzuziehen. Selbst sein heimlicher Traum Irland würde ihn wohl niemals "für ganz" bekommen können.

Er sei schlichtweg zu stark in Fürth verwurzelt - vor allem seine sozialen Kontakte sind ihm immens wichtig. Derzeit arbeitet der ausgebildete Reiseverkehrskaufmann, der nach seiner Lehre keinen Fuß mehr in eine Reisebüro gesetzt hat, an einem neuen Programm. Die Premiere ist für den 25. April 2009 geplant, in der Roten Bühne in Nürnberg, in der er einen Monat zuvor auch wieder mit seinen Sangesbrü-dern auftreten wird. Neben vielen neuen lustigen Geschichten, Slapstick und Gesangeinlagen will Tomis auch wieder seine ganz persönlichen "Helden" auferwecken: Heinz Erhard, Theo Lingen oder Heinz Rühmann etwa. Letzterer mache ihm noch etwas Probleme, stimmlich haue es noch immer nicht so ganz hin - worüber man durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann. Als wir den fränkischen Comedian, der seine Arbeit auch unter den Titel Kleinkünstlereien zu stellen pflegt, zum ersten Mal live erlebten, gab es nämlich nicht wirklich etwas auszusetzen.

Nach Vorbildern im Comedy/Kabarettbereich gefragt, landet Tomis wie aus der Pistole geschossen bei Loriot, Volker Pispers oder Georg Schramm. Politisches Kabarett habe er ausprobiert, um festzustellen, dass er es nicht kann, meint der Unterhalter, der zu unserem Foto- und Gesprächstermin ohne seine gewohnte Brille erschien. Vielleicht sei er auch nur zu jung dafür. Jetzt denkt und plant er in jedem Fall eben erstmal sein zweites Soloprogramm, in Zusammenarbeit mit einem Regisseur. Perspektivisch plant der derzeit in Nürnberg in der Zigarrenbranche tätige Betreuer internationaler Kunden, nur mehr als Freischaffender tätig zu sein, und wenn es danach irgendwann doch nicht so laufen sollte, wie erwünscht, hat Michael A(ndreas) Tomis keine Zukunftsängste: "Ich kann Ihnen alles verkaufen - im Verkauf finde ich immer einen Job".

Ganz vergessen haben wir ihn übrigens zu fragen, was es mit dem mutmaßlichen Spitznamen "Pommes" auf sich hat, den der erste Gast seines virtuellen Gästebuchs im Juni diesen Jahres als Anrede eintrug. Aber das klärt sich vielleicht, wenn wir es schaffen, für Tomis und die Gewinner der ersten Trüffel - die Band Katze - im Jahr 2009 eine kleine Gala in Bamberg zu organisieren.

(Red.)