Ihre Trüffelschweine im fränkischen Einheitsbrei

Das Leben draußen lassen

Unsere Kurzkritik zu einem Drama, in dem Bibiana Beglau (“Die Stille nach dem Schuss”) und Bjarne Mädel (“Tatortreiniger”, “Mord mit Aussicht”) nur formal die Hauptrollen spielen. In Wahrheit dreht sich alles um einen Jugendlichen, der sein Zimmer nicht mehr verlassen will, für den Zuschauer aber quasi unsichtbar bleibt: “1000 Arten Regen zu beschreiben” darf dabei als durchaus sperrig bezeichnet werden, aber verschont zumindest mit oberflächlicher Küchenphilosophie.

Um es vorweg zu nehmen, Isa Prahl, die hier ihr Langfilmdebüt abliefert, ist nicht verwandt und nicht verschwägert mit Axel Prahl. Kennen könnte man sie trotzdem: schließlich errang sie schon 2009 ihren ersten kleinen Achtungserfolg – mit einem  Social Spot namens „Armut kennt viele Geschichten“. Auf der großen Kinoleinwand nun geht es um Mike, der offenbar gerade 18 geworden ist, und sich wohl schon seit einigen Tagen eingeschlossen hat. Die offizielle Info zum Film ergänzt, was für den Zuschauer auch nach und nach manifest wird. Der Jugendliche ist nicht krank. Er hat sich “bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen”. Konsequenterweise kommt Béla Gabor Lenz, dessen Name im Abspann als Mike aufgeführt wird, im Film auch kaum vor. Dafür aber seine (Film)eltern und seine Schwester. Allen voran Bjarne Mädel – der “Vater” der eigentlichen Hauptfigur in “1000 Arten Regen zu beschreiben” zeigt sich ja bereits seit vielen Jahren in Serien a la „Stromberg“, „Mord mit Aussicht“ und „Der Tatortreiniger“ extrem wandlungsfähig und ausdrucksstark. Doch erst in einem solchen Streifen erkennt man, dass er nicht nur ein richtig großes Talent, sondern ein schlichtweg herausragender Mime ist (anders übrigens leider als seine Partnerin hier: Bibiana Beglau bleibt über rund 90 Minuten ziemlich blass). In jeder Filmsekunde nimmt man ihm ab, wie sich ein großer Schmerz nach und nach immer tiefer in einen Menschen einbrennen kann, wie jemand kämpft seine Verzweiflung zunächst in Trotz und kleineren Wutausfällen zu verpacken bzw. zu kompensieren.

Mike meint es nämlich wirklich ernst. Kommt er anfangs zumindest noch für den Toilettengang nach draußen, verrichtet er nach einigen Tagen selbst derlei Dinge im Zimmer – leere Colaflaschen werden zweckentfremdet… Die Mutter räumt es dann nahezu klaglos weg. Miriam, die Schwester (Emma Bading) des jungen Mannes, gibt sich da deutlich kampfbereiter, hält es offenbar für eine gute Idee, Mike mit den weiblichen Reizen einer Schulfreundin locken zu lassen. Doch auch dieser Versuch schlägt fehl, wie schon ein großes “Grafitti”-Transparent vor seinem Fenster, auf dem die Familienmitglieder ihm versicherten, wie wichtig er ihnen ist. Und so beschränkt sich der Kontakt fast nurmehr auf Zettelchen unter dem Türschlitz hin- und herschieben. Von Mike aus, kommt aber slebst dann kein Dialog mehr zu Stande. In seinen Botschaften beschränkt er sich auf Regen-Schilderungen aus aller Welt. Dazu gibt es dann amateurhafte Film-im-Film-Aufnahmen von herumfliegnden Gullideckeln und einiges an Wetterkapriolen mehr. Was den Streifen nicht gerade weniger sperrig macht. Langatmig muss ohnedies nicht immer schlecht sein, manches sollte man auch aushhalten, um sich hineinzuversetzen. In dem Fall in die Seele eines Heranwachsenden, dessen Geschichte hier nicht etwa mit Versagensangst oder ähnlichem skizziert wird. Nein! “1000 Arten Regen zu beschreiben” gibt letztlich gar keine Antwort, aber dann doch einen kleinen Ausweg. Und bis dahin vor allem viele Einblicke in den ganz normalen Alltagstrott einer Familie, die am Ende vielleicht aus Zeitgründen viel zu wenig miteinander spricht, vor sich hin lebt und daher dann hilflos vor einer unerwarteten Situation steht.

 

 

 

 

 

 



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